FASTWAHR meldetQuellenlage: bedenklichZuverlässigkeit: 4 %Beweislage: ein BildSpuren von Tatsachen möglich

Neu entdecktfrühe 1930er-Jahre

Brooklynia-Tower: New Yorks höchster Wolkenkratzer wurde aus Kostengründen wieder abgetragen

New York,

Eine bislang unbeachtete Aufnahme aus den frühen 1930er-Jahren sorgt für Irritationen. Sie zeigt Mitglieder der Schlaraffia hoch über Manhattan bei einer offenbar ausgedehnten Arbeitspause. Nach Recherchen von FASTWAHR gehörten die Männer zur Planungskommission eines heute nahezu vergessenen Bauprojekts: des Brooklynia-Towers. Er sollte das Empire State Building überragen. Gebaut wurde tatsächlich – allerdings hatte die Planung einen entscheidenden Fehler.

FASTWAHR-Redaktion 3 Min. Lesezeit Satire
Teilen
KI-generierte Satire-Illustration: Zehn Männer in Umhängen und Zipfelkappen sitzen auf einem Stahlträger hoch über Manhattan, einer liest eine Zeitung mit Uhu, am Ende sitzt ein echter Uhu

KI-generiertes Bild · Die dargestellte Szene hat so nicht stattgefunden. Bildidee als Parodie auf die Fotografie „Lunch atop a Skyscraper“ (New York, 1932) · Personen frei erfunden.

New York besitzt eine gewisse Erfahrung mit ehrgeizigen Bauprojekten. Trotzdem findet sich in den bekannten Architekturführern der Stadt kein Hinweis auf jenes Gebäude, das Manhattan beinahe um eine weitere Sehenswürdigkeit bereichert hätte. Der Brooklynia-Tower sollte nach den bislang von FASTWAHR ausgewerteten Unterlagen nicht weniger als 417 Meter hoch werden. Damit hätte er das 1931 eröffnete Empire State Building überragt.

Dass ausgerechnet Schlaraffen hinter dem Projekt standen, erscheint zunächst unwahrscheinlich. Ganz abwegig ist eine Verbindung zur New Yorker Stadtgeschichte allerdings nicht.

Bereits seit dem 19. Jahrhundert gab es Schlaraffia in New York. Das Reych Nova Yorkia (69) entstand 1884, zehn Jahre später folgte Brooklynia (123). Die New York Public Library verwahrt bis heute ein Stammtischregister der Nova Yorkia aus den Jahren 1911 bis 1914. Darin finden sich Unterschriften, schlaraffische Namen, Zeichnungen von Uhus und deutsche Inschriften.

Die Voraussetzungen für einen eigenen Wolkenkratzer waren also praktisch gegeben.

Ein Turm für den Uhu

Der Plan soll während einer gemeinsamen Zusammenkunft New Yorker Schlaraffen entstanden sein. Während andere Vereine Klubhäuser errichteten, erschien den Beteiligten ein gewöhnliches Vereinsheim offenbar als unangemessen. New York baute schließlich gerade in die Höhe.

Warum also nicht auch Schlaraffia?

Der Entwurf sah im Erdgeschoss eine großzügige Schlaraffenburg vor. Darüber sollten Gästezimmer, Archivräume, Ateliers, eine Bibliothek, mehrere Rittersäle und – den Unterlagen zufolge – mindestens ein Stockwerk entstehen, dessen Verwendung nie abschließend geklärt wurde. Die Spitze sollte ein mehrere Meter hoher Uhu krönen.

Dass die Planer durchaus Sinn für New Yorker Architektur besaßen, zeigt übrigens ein reales Detail: Von der alten Nova Yorkia existierte später ein Abzeichen, auf dem ausgerechnet Brooklyn Bridge, East River, Schiffe und ein darüber wachender Uhu dargestellt waren.

Der Größenwahn hatte also Tradition.

Das Foto vom 63. Stock

Den entscheidenden Hinweis liefert die jetzt ausgewertete Fotografie. Sie zeigt mehrere Schlaraffen während der Bauarbeiten auf einem Stahlträger. Unter ihnen liegt Manhattan, vor ihnen offenbar die Mittagspause.

Die Aufnahme wurde lange irrtümlich für eine Variante der berühmten New Yorker Hochhausarbeiter-Fotografien gehalten. FASTWAHR kann diese Annahme inzwischen mit der gebotenen wissenschaftlichen Unbekümmertheit ausschließen. Bei den Männern handelt es sich eindeutig um Mitglieder der schlaraffischen Baukommission.

Ungeklärt bleibt lediglich, warum keiner von ihnen arbeitet.

Das Problem mit dem Aufzug

Das Projekt scheiterte schließlich nicht an der Statik. Auch die Stadt New York soll gegen einen 417 Meter hohen Schlaraffenturm keine grundsätzlichen Einwände erhoben haben. Das Problem war wesentlich profaner.

Bei der Kalkulation hatte niemand einen Aufzug berücksichtigt. Die Baukommission bemerkte dies angeblich erst, nachdem die oberen Stockwerke bereits erreicht waren.

Ein nachträglicher Einbau hätte die verfügbaren Mittel erheblich überschritten. Die Alternative, vor jeder Sippung mehrere hundert Meter Treppen zu steigen, fand innerhalb des Reyches ebenfalls keine ausreichende Mehrheit. Eine kurzfristig diskutierte Lösung mittels Seilwinde wurde nach ersten Versuchen verworfen. Überliefert ist lediglich die Bemerkung eines unbekannten Ritters, die Methode sei zwar technisch einwandfrei, jedoch „dem Einritt nicht zuträglich“.

Damit war das Schicksal des Brooklynia-Towers besiegelt. Stockwerk für Stockwerk wurde das Gebäude wieder abgetragen.

Nur das Erdgeschoss blieb stehen.

Ein Wolkenkratzer von bemerkenswert geringer Höhe

Damit erklärt sich möglicherweise auch eine Besonderheit der heutigen New Yorker Schlaraffenburg. Brooklynia besitzt tatsächlich eine Burg in New York. Historische Sippungsunterlagen nennen die Steubenburg, 6 East 87th Street, unweit der Fifth Avenue – allerdings ausdrücklich „im Keller“. Nach dem gescheiterten Ausflug in die Höhe scheint man architektonisch also bemerkenswert konsequent geworden zu sein.

Statt 417 Meter über Manhattan: ein Keller.

Aus Sicht der Baukosten zweifellos ein Fortschritt.

Was davon stimmt

Die echten Fakten zu New York City · Lunch atop a Skyscraper · Rockefeller Center · Empire State Building

  • Wahr: Nova Yorkia (69) wurde 1884 in New York gegründet und bestand bis 1988. Brooklynia (123) wurde 1894 gegründet und besteht bis heute.
  • Wahr: Die New York Public Library besitzt ein originales Schlaraffia-Stammtischregister der Nova Yorkia aus den Jahren 1911–1914.
  • Wahr: Historische Schlaraffia-Unterlagen nennen für Brooklynia die „Steubenburg“ in der 6 East 87th Street in Manhattan.
  • Nicht wahr: Es gab keinen Brooklynia-Tower, keinen 417 Meter hohen Schlaraffen-Wolkenkratzer und nach allem, was wir wissen, auch keinen vergessenen Aufzug.
  • KI-generiert: das Foto.

Historische Zuverlässigkeit: 1 %FASTWAHR-Faktor: 99 %

Fast erfunden. Die Schlaraffen allerdings gibt es wirklich.

Die Brooklynia (123) sippt bis heute in Manhattan – Gäste sind willkommen.

Diese Geschichte weitererzählen

Weiterführende Informationen

Schlaraffia

FASTWAHR ist Satire und Parodie. Die Bilder sind KI-generiert; dargestellte Personen, Wappen und Aufschriften sind erfunden. Anspielungen auf bekannte Werke sind als Parodie gemeint. Mehr dazu

Weitere FASTWAHR-Geschichten

Ebenso gründlich unzuverlässig

Ins Archiv

FASTWAHR ermitteltAnsbach · 1831-1881

In Ansbach tauchten 1881 Männer mit neuen Namen auf. Ausgerechnet hier.

Kaum eine deutsche Stadt ist so eng mit der Geschichte eines Mannes verbunden, dessen Herkunft bis heute Rätsel aufgibt. Fast fünfzig Jahre später entstand dort eine Gemeinschaft, in der erwachsene Männer freiwillig ihre gewöhnlichen Namen gegen andere eintauschten. FASTWAHR wollte wissen, ob die Ansbacher aus der Sache mit Kaspar Hauser möglicherweise die falschen Schlüsse gezogen hatten.

FASTWAHR ermitteltPrag · 1859-1861

Am 10. Oktober 1859 wurde in Prag etwas gegründet. Merkwürdig ist nur, was dabei alles fehlte.

Es ist einer jener Jahrestage, bei denen man glaubt, die Geschichte längst zu kennen. Einige Männer sitzen in einem Prager Wirtshaus, gründen einen Bund und setzen damit etwas in Gang, das 167 Jahre später auf mehreren Kontinenten existiert. Wer jedoch genauer hinsieht, stößt auf ein Problem: Fast alles, woran man diese Gemeinschaft heute erkennen würde, war an jenem Abend noch gar nicht da.

FASTWAHR ermitteltMagdeburg · 1657-1882

In Magdeburg gab es Ritter, von denen heute kaum noch jemand etwas weiß

Sie besaßen eine Burg, trugen ungewöhnliche Namen und führten über Jahrzehnte ein erstaunliches Eigenleben mitten in der Stadt. Wer sie heute besuchen möchte, steht allerdings vor einem Problem: Sie sind verschwunden. Bei der Suche nach ihnen stößt man ausgerechnet auf einen Magdeburger, der sein Leben lang beweisen wollte, dass auch das Nichts eine erstaunliche Wirkung haben kann.