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Neu entdeckt1967

In Hof lief ein Film ohne Handlung. Warum wollte niemand den Saal verlassen?

Hof,

Seit 1967 gehören die Internationalen Hofer Filmtage zum deutschen Kinokalender. Doch in einer etwas anderen Vorgeschichte des Festivals taucht eine Filmrolle auf, deren Inhalt selbst erfahrene Zuschauer ratlos machte: Männer warteten auf ihren Auftritt, ein Vorsitzender wartete auf Ruhe, und die Kamera wartete vergeblich auf eine Handlung.

FASTWAHR-Redaktion 3 Min. Lesezeit Satire
KI-generierte Satire-Illustration: Ratlose Zuschauer in einem kleinen Kino sehen einen Schwarz-Weiß-Film mit Männern in zeremoniellen Kappen; neben dem Projektor liegt eine offene Filmdose.

KI-generiertes Bild · Die dargestellte Szene hat so nicht stattgefunden. Die Illustration zeigt ein erfundenes Kinopublikum vor einer Schwarz-Weiß-Aufnahme einer Sippung und ist keine historische Fotografie oder Aufnahme eines tatsächlichen Hofer Films.

Als 1967 das erste Hofer Kurzfilmfestival stattfand, begann in der Stadt an der Saale eine Festivalgeschichte, die bis heute fortgeschrieben wird. Das Kino bekam hier einen eigenen Treffpunkt, alljährlich im Oktober, fern von den großen Metropolen. Wer allerdings verstehen möchte, weshalb ausgerechnet Hof eine solche Beziehung zum Film entwickelte, kann sich mit den üblichen Erklärungen begnügen. Oder er folgt einer Filmrolle, die in der folgenden, weniger belastbaren Vorgeschichte eine erstaunlich wichtige Rolle spielt.

Diese Rolle lag, so beginnt die Geschichte, in einer Blechdose mit der Aufschrift »Abendaufnahme, nicht öffentlich«. Weder ein Regisseur noch ein Produktionsjahr waren vermerkt, dafür fand sich auf dem Deckel der gewissenhafte Hinweis, die zweite Hälfte dürfe keinesfalls vor der ersten gezeigt werden. Ein Vorführer nahm die Dose deshalb zunächst für ein Lehrmittel. Erst beim Betrachten bemerkte er, dass der Film zwar Menschen zeigte, die einander etwas beibringen wollten, aber niemand erkennen ließ, worin der Unterricht bestand.

Die Kamera stand unbeweglich in einem Raum, dessen Ausstattung zwischen kleiner Bühne und feierlichem Vereinszimmer vermittelte. Männer traten nach vorn, sprachen, verbeugten sich und setzten sich wieder, während andere ihre Beiträge mit einer Ernsthaftigkeit würdigten, die durch gelegentliches Gelächter nicht beeinträchtigt wurde. Weil heimlich und ohne brauchbaren Ton gedreht worden war, ließ sich nicht entscheiden, ob gerade ein Gedicht vorgetragen, ein Amt verliehen oder eine sehr höfliche Auseinandersetzung beendet wurde. Am rätselhaftesten erschien ein Teilnehmer, der nach langem Warten endlich aufstehen durfte, kurz den Mund öffnete und sich unter sichtbarer Zustimmung wieder hinsetzte.

Für die filmische Erschließung wurde ein Protokoll angelegt, das nach wenigen Minuten mehr Fragen enthielt als der Film Bilder. Die Kopfbedeckungen deuteten auf ein historisches Stück hin, die Stühle auf die Gegenwart, die Gesten auf eine Gesellschaft mit eigener Geschäftsordnung. Ein erster Versuch, erklärende Zwischentitel einzufügen, scheiterte am Satz »Nun erhält der Mann rechts das Wort«, weil unmittelbar danach der Mann links aufstand. Schließlich bezeichnete man das Werk als experimentell, womit wenigstens geklärt war, dass niemand mehr verpflichtet war, es zu verstehen.

Bei einer Probevorführung zeigte sich jedoch eine Wirkung, mit der keiner gerechnet hatte. Sobald jemand im Film nach vorn trat, richteten sich auch im Zuschauerraum die Rücken auf; verbeugte sich der Mann auf der Leinwand, nickten mehrere Besucher zurück. Nach einer besonders langen, vollkommen lautlosen Ansprache setzte Beifall ein. Er galt, wie die anschließende Befragung ergab, nicht einem erkennbaren Gedanken, sondern der sichtbaren Tatsache, dass der Redner zu einem Ende gefunden hatte. Das war ein Maßstab, auf den sich auch ein Publikum ohne gemeinsame Sprache verständigen konnte.

Nun musste nur noch ermittelt werden, wer da gefilmt worden war. Die Spur führte weder zu einer verschollenen Theatertruppe noch zu einer kommunalen Sitzung, sondern zur Curia Salensis, dem in Hof beheimateten Schlaraffenreych. Was auf der Leinwand wie ein unvollständig erklärtes Kostümdrama wirkte, war in dieser erfundenen Vorgeschichte eine heimlich aufgenommene Sippung: ein Zusammenkommen im Zeichen von Kunst, Freundschaft und Humor, dessen ritterliches Spiel ohne den zugehörigen Ton eine bemerkenswerte Eigendynamik entwickelte. Die vermeintlichen Schauspieler hatten keinen Film gedreht; sie hatten lediglich nicht bemerkt, dass jemand einen drehte.

Damit änderte sich die Beurteilung des Materials erheblich. Der lange wartende Mann war nun kein Sinnbild menschlicher Entfremdung mehr, sondern ein Teilnehmer, der mit seinem Beitrag noch nicht an der Reihe gewesen war. Die Verbeugungen bedurften keiner psychologischen Deutung, und auch die Kopfbedeckungen mussten nicht länger als Kritik an der Moderne gelten. Besonders bedauerlich fand man, dass ausgerechnet der Humor bei der Aufnahme verloren gegangen war. Er ließ sich zwar an den Gesichtern erkennen, erreichte den Zuschauer aber ungefähr so zuverlässig wie ein Brief, dessen Umschlag sorgfältig zugestellt und dessen Inhalt unterwegs entfernt worden war.

In der erfundenen Festivalvorgeschichte galt die Rolle danach als heimlicher Anfang des Hofer Kinos, obwohl sie weder als erster Hofer Film belegt ist noch irgendeinen nachweisbaren Anteil an der Entstehung der Filmtage hat. Man hätte sie restaurieren, vertonen und mit einem einführenden Vortrag versehen können. Davon nahm das fiktive Sichtungsgremium Abstand, nachdem ein Besucher erklärte, gerade die Unverständlichkeit habe ihm einen selten friedlichen Abend beschert: Zum ersten Mal habe er einen Film gesehen, bei dem auch die anderen nicht nachweisen konnten, dass sie ihn besser verstanden hatten.

Was davon stimmt

Die echten Fakten zu Hof (Saale) · Internationale Hofer Filmtage · Curia Salensis · Schlaraffia

  • Wahr: Die Geschichte der Internationalen Hofer Filmtage beginnt 1967 mit einem Hofer Kurzfilmfestival.
  • Wahr: Die Internationalen Hofer Filmtage finden jährlich im Oktober in Hof an der Saale statt.
  • Wahr: Die Festivalausgabe 2026 ist für den 20. bis 25. Oktober angekündigt.
  • Wahr: Curia Salensis ist das Schlaraffenreych in Hof.
  • Wahr: Schlaraffia pflegt Kunst, Freundschaft und Humor in einem ritterlich geprägten Spiel. Ihre Zusammenkünfte heißen Sippungen.
  • Nicht belegt: Das genaue Datum einer Coloniegründung der Curia Salensis am 21. Oktober 1950 wurde nicht durch eine ausreichend gesicherte offizielle Quelle bestätigt und wird im Artikel nicht verwendet.
  • Erfunden: Die Filmrolle in der beschrifteten Blechdose und sämtliche beschriebenen Filmszenen.
  • Erfunden: Das Sichtungsprotokoll, die Zwischentitel, die Probevorführung und die anschließende Zuschauerbefragung.
  • Erfunden: Das Sichtungsgremium, die Kommission und ihre Empfehlungen.
  • Erfunden: Die heimlich gefilmte Sippung als erster Hofer Film und ihre angebliche Verbindung zur Entstehung der Filmtage.
  • KI-generiert: Das Titelbild ist KI-generiert und zeigt eine erfundene Kinoszene.
  • KI-generiert: Der Text ist mit KI-Unterstützung entstanden.

Historische Zuverlässigkeit: 10 %FASTWAHR-Faktor: 90 %

Fast erfunden. Die Schlaraffen allerdings gibt es wirklich.

Die fiktive Kommission empfahl schließlich eine Vorführung ohne Untertitel, weil diese nur neue Missverständnisse schaffen würden. Als Inhaltsangabe genehmigte sie den Satz: »Es kommt jeder zu Wort, aber nicht für das Publikum.«

Die Curia Salensis findet man heute am Unterkotzauer Weg 55 in 95028 Hof. Ihre offizielle Website nennt Dienstag um 19:30 Uhr als Sippungszeit; vor einem Besuch empfiehlt sich eine Kontaktaufnahme.

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Schlaraffia

Hintergrund

FASTWAHR ist Satire und Parodie. Die Bilder sind KI-generiert; dargestellte Personen, Wappen und Aufschriften sind erfunden. Anspielungen auf bekannte Werke sind als Parodie gemeint. Mehr dazu

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