FASTWAHR ermittelt1417–2026
Was die Schlaraffen ihrer Stadt schenken wollten, verlief zunächst genau nach Plan

KI-generiertes Bild · Die dargestellte Szene hat so nicht stattgefunden. Personen, Szene und Aufschriften frei erfunden.
Bad Dürkheim. Die Geschichte des Dürkheimer Wurstmarktes beginnt nicht mit einer Wurst und auch nicht mit einem Weinfass, sondern auf dem Michelsberg. Dort stand bereits im Mittelalter die Michaeliskapelle, zu der Menschen am Michaelistag pilgerten. Händler versorgten die Besucher, aus der Wallfahrt entwickelte sich ein Markt, und irgendwann wurde es auf dem Berg schlicht zu eng. Der Michaelismarkt ist seit 1417 belegt; später verlagerte sich das Marktgeschehen auf die Brühlwiesen am Fuß des Berges. Dort entwickelte sich daraus über die Jahrhunderte der Dürkheimer Wurstmarkt.
Die ursprüngliche Kapelle hatte weniger Bestand als der Markt. 1601 wurde sie abgebrochen. Erst Ende der 1980er-Jahre entstand die Idee, auf dem Michelsberg wieder eine Michaeliskapelle zu errichten. 1990 wurde der Neubau eingeweiht und erinnert seither an den historischen Ausgangspunkt der Wurstmarktgeschichte.
Die Schlaraffen des Reyches An der Weinstrasse (368) fühlen sich ihrer Stadt und deren Traditionen seit Langem verbunden. Tatsächlich unterstützten sie bereits den damaligen Wiederaufbau der Michaeliskapelle und gehörten nach einem aktuellen Bericht sogar zu den ersten Spendern für das Projekt.
Damit beginnt jener Teil der Geschichte, für den die Aktenlage bei FASTWAHR erheblich interessanter wird.
Irgendwann entstand bei den Schlaraffen die Überlegung, den Bürgern Bad Dürkheims etwas zurückzugeben. Es sollte kein beliebiges Erinnerungsstück sein, sondern etwas, das die Verbindung zwischen der Stadt, ihrer jahrhundertealten Tradition und dem Ursprung des Wurstmarktes sichtbar macht.
Nach längeren Beratungen stand das Vorhaben fest. Man wollte die historische Michaeliskapelle wiedererrichten.
Der Auftrag war damit nach Auffassung aller Beteiligten hinreichend präzise beschrieben. Historische Vorlagen wurden zusammengetragen, Formen und Proportionen untersucht und schließlich begannen die Arbeiten. Über Monate deutete nichts darauf hin, dass dieses Vorhaben später noch Anlass zu einer grundsätzlichen Überprüfung des schlaraffischen Auftragswesens geben würde.
Im Gegenteil. Die Meldungen vom Baufortschritt waren ausgesprochen erfreulich. Das Mauerwerk nahm Gestalt an, Fenster und Türen wurden eingesetzt, das Dach entstand und selbst kleine architektonische Einzelheiten wurden berücksichtigt. Wer sich nach dem Stand des Projekts erkundigte, bekam beruhigende Antworten. Die Arbeiten lägen im Zeitplan, die historischen Vorlagen seien berücksichtigt worden und einer Übergabe stehe nichts mehr im Wege.
Es gab deshalb keinen Grund zur Sorge. Bis zur Präsentation.
Als das fertige Bauwerk erstmals vor den versammelten Schlaraffen stand, soll es zunächst einige Sekunden still gewesen sein. Nicht etwa, weil die Arbeit misslungen wäre. Im Gegenteil: Vor ihnen stand eine ausgesprochen sorgfältig ausgeführte Rekonstruktion. Mauern, Dach, Fenster und Proportionen waren vorhanden, selbst Details, die man bei einer oberflächlichen Umsetzung problemlos hätte weglassen können, waren berücksichtigt worden.
Nur in einem Punkt wich das Ergebnis erheblich von den Erwartungen ab.
Die Kapelle war klein. Sehr klein. So klein, dass selbst der zierlichste Bürger Bad Dürkheims Schwierigkeiten gehabt hätte, darin Platz zu nehmen.
Damit begann die Suche nach dem Verantwortlichen. Wie bei größeren Bauvorhaben üblich, musste zunächst geklärt werden, ob ein Ausführungsfehler vorlag oder bereits die Planung gewisse Schwächen aufgewiesen hatte. Also wurde der ursprüngliche Auftrag noch einmal hervorgeholt.
Die entscheidende Passage war schnell gefunden. Gegenstand des Auftrags war die historische Michaeliskapelle. Daran gab es nichts zu rütteln.
Nur stand nirgendwo, wie groß sie werden sollte.
Weder Länge noch Breite oder Höhe waren angegeben worden. Auch von einem Maßstab war in den Unterlagen keine Rede. Der Erbauer hatte historische Vorlagen verwendet, die Proportionen korrekt übertragen und genau das geliefert, was bestellt worden war: die Michaeliskapelle.
Dass der Auftraggeber sich darunter ein begehbares Gebäude vorgestellt hatte, ließ sich den Unterlagen nicht entnehmen.
Die daraufhin einberufene schlaraffische Bauabnahme soll entsprechend sachlich verlaufen sein. Der Auftraggeber habe darauf hingewiesen, dass man sich die Kapelle etwas größer vorgestellt habe. Der Erbauer habe dies zur Kenntnis genommen und sein Bedauern darüber ausgedrückt, dass diese Information erst nach Fertigstellung vorliege.
Anschließend seien die Unterlagen gemeinsam noch einmal gelesen worden. Weitere Baumängel wurden nicht festgestellt.
Damit blieb nur noch die Frage, was mit einem Bauwerk geschehen sollte, das zwar historisch gelungen, für die Bürger Bad Dürkheims jedoch nur eingeschränkt nutzbar war. Ein nachträglicher Ausbau auf Originalgröße schied aus. Dafür hätte man das fertige Werk weitgehend wieder zerlegen müssen. Außerdem steht auf dem Michelsberg längst wieder eine Michaeliskapelle. Bad Dürkheim hätte anschließend zwei besessen, was zwar die historische Bedeutung des Bauwerks eindrucksvoll unterstrichen, die Standortfrage aber nicht unbedingt vereinfacht hätte.
Man entschied sich deshalb für die pragmatischste Lösung. Die Kapelle blieb bei den Schlaraffen. Und genau dort steht sie heute tatsächlich.
Zum 610. Dürkheimer Wurstmarkt erhielten die Schlaraffen An der Weinstrasse ein detailgetreues Modell der Michaeliskapelle. Gestiftet wurde es von Junker Jochen aus Ludwigshafen, geschaffen hat es Krippenbaumeister Horst Ehrhardt. Das kleine Bauwerk erinnert nun in den Räumen des Reyches an den historischen Ursprung des Wurstmarktes – und zugleich an eine Verbindung zur Michaeliskapelle, die bei den Dürkheimer Schlaraffen schon wesentlich länger besteht.
Damit hat die Geschichte am Ende sogar etwas erreicht, was der angebliche ursprüngliche Auftrag nicht ausdrücklich verlangte: Die Michaeliskapelle befindet sich nun tatsächlich bei den Schlaraffen. Sie benötigt lediglich erheblich weniger Grundstück als erwartet.
Was davon stimmt
Die echten Fakten zu Michaelskapelle (Bad Dürkheim) · Dürkheimer Wurstmarkt · Michelsberg (Pfalz) · Bad Dürkheim
- Wahr: Der Dürkheimer Wurstmarkt geht auf den Michaelismarkt an der Michaeliskapelle auf dem Michelsberg zurück; als Anfangsjahr gilt 1417. Wegen Platzmangels zog der Markt später hinunter auf die Brühlwiesen.
- Wahr: Die ursprüngliche Kapelle wurde 1601 abgebrochen. 1988 begann eine Initiative für den Wiederaufbau, 1990 wurde die neue Michaeliskapelle auf dem Michelsberg eingeweiht.
- Wahr: Die Schlaraffen An der Weinstrasse (368) unterstützten den Wiederaufbau und gehörten laut einem aktuellen Bericht zu den ersten Spendern. Zum 610. Wurstmarkt 2026 schenkte ihnen Junker Jochen aus Ludwigshafen ein Modell der Kapelle, gebaut von Krippenbaumeister Horst Ehrhardt.
- Erfunden: der Auftrag, die historische Michaeliskapelle für die Stadt wiederzuerrichten, die fehlenden Maßangaben, die Fortschrittsberichte und die Bauabnahme.
- KI-generiert: das Bild. Bauplan und „Bauauftrag“ im Bild sind erfunden.
Historische Zuverlässigkeit: 18 %FASTWAHR-Faktor: 82 %
Fast erfunden. Die kleine Kapelle ist echt.
Die Schlaraffen aus dieser Geschichte gibt es wirklich – An der Weinstrasse (368) sippt freitags in der Letheburg in Bad Dürkheim, Kaiserslauterer Straße 4a. Gäste sind willkommen.
Weiterführende Informationen
Schlaraffia
- Schlaraffia An der Weinstrasse (368), Bad Dürkheim schlaraffia-bad-duerkheim.de
- Schlaraffia An der Weinstrasse – Reych 368 an-der-weinstrasse.de
- Die Rheinpfalz: Ein Stück Wurstmarkt-Geschichte geschenkt rheinpfalz.de
Hintergrund
- Wochenblatt-Reporter: Kleine Kapelle, große Geschichte – Besonderes Geschenk zum 610. Wurstmarkt wochenblatt-reporter.de
- Michaeliskapelle Bad Dürkheim: Die Kapelle michaeliskapelle.de
- Wikipedia: Dürkheimer Wurstmarkt de.wikipedia.org
- regionalgeschichte.net: Michaelskapelle Bad Dürkheim regionalgeschichte.net
FASTWAHR ist Satire und Parodie. Die Bilder sind KI-generiert; dargestellte Personen, Wappen und Aufschriften sind erfunden. Anspielungen auf bekannte Werke sind als Parodie gemeint. Mehr dazu


