Neu entdeckt1933–2022
Wie Thailand zu seinem eigenen Bier kam – und warum dabei deutsche Männer mit merkwürdigen Mützen auftauchen

KI-generiertes Bild · Die dargestellte Szene hat so nicht stattgefunden. Personen, Schilder und Aufschriften frei erfunden; Boon Rawd und Singha sind Marken ihrer Inhaber.
Anfang der 1930er-Jahre fasste der thailändische Unternehmer Phraya Bhirom Bhakdi einen Plan, der für seine Zeit keineswegs selbstverständlich war. Thailand – damals noch Siam – importierte Bier aus dem Ausland. Warum, fragte sich der Unternehmer, sollte man es nicht im eigenen Land brauen? Die Idee war einfach. Ihre Umsetzung war es nicht.
In Siam fehlte praktisch alles, was für den Aufbau einer modernen Brauerei benötigt wurde: Erfahrung, geeignete technische Anlagen, ein eingespieltes Brauwesen und nicht zuletzt die Gewissheit, dass sich ein nach europäischen Verfahren hergestelltes Bier unter tropischen Bedingungen überhaupt erfolgreich produzieren ließ. Bhirom Bhakdi ließ sich davon nicht abschrecken. Er reiste nach Europa, besuchte Brauereien sowie Hopfen- und Gerstenanbaugebiete und beschäftigte sich intensiv mit der Herstellung von Bier. Besonders intensiv waren die Verbindungen nach Deutschland. Und genau an dieser Stelle beginnt FASTWAHR, misstrauisch zu werden.
Denn auf einer bislang unbekannten Aufnahme aus der Frühphase des Projektes sind neben thailändischen Mitarbeitern und europäischen Technikern einige Herren zu erkennen, deren Kleidung mit dem normalen Arbeitsbetrieb einer Brauerei nur schwer zu erklären ist. Sie tragen lange Mäntel. Auf ihren Köpfen befinden sich merkwürdige textile Helme. Und zwei von ihnen halten Bierkrüge.
Das Problem begann mit einer Brücke
Die tatsächliche Vorgeschichte von Thailands erster Brauerei ist bereits ungewöhnlich genug. Bhirom Bhakdi hatte zuvor unter anderem ein erfolgreiches Fährunternehmen betrieben. Als neue Straßen und Brücken entstanden, verlor dieses Geschäftsmodell an Bedeutung. Er musste sich nach einer neuen wirtschaftlichen Tätigkeit umsehen. Andere Unternehmer hätten vielleicht eine neue Fährlinie eröffnet. Bhirom Bhakdi entschied sich für Bier.
Warum der gedankliche Weg von einem Fährunternehmen zu einer Brauerei führte, lässt sich wirtschaftshistorisch erklären. FASTWAHR hat dennoch geprüft, ob zwischen beiden Geschäftsideen möglicherweise eine bislang übersehene Verbindung bestand. Unsere Rekonstruktion beginnt bei einem Treffen mit deutschen Geschäftsleuten.
Der Unternehmer soll dort Bier kennengelernt und anschließend die entscheidende Frage gestellt haben, ob man ein solches Getränk nicht auch in Siam herstellen könne. Tatsächlich spielte der deutsche Geschäftsmann und Ingenieur Emil Eisenhofer bei Bhirom Bhakdis Bekanntschaft mit deutschem Bier eine Rolle. Was danach geschah, ist nur teilweise dokumentiert.
FASTWAHR geht davon aus, dass mindestens einer der anwesenden Deutschen die Frage nach dem Bierbrauen mit jener Begeisterung beantwortete, die Deutsche bis heute entwickeln können, wenn jemand im Ausland versehentlich Interesse an ihrer Braukultur zeigt. Aus einer kurzen Unterhaltung dürfte deshalb rasch ein Fachvortrag geworden sein.
Die Deutschen erklären das Bier
Bhirom Bhakdi reiste schließlich nach Europa und studierte das Brauwesen aus nächster Nähe. Er besichtigte Brauereien, beschäftigte sich mit Rohstoffen und Verfahren und bereitete die Gründung einer eigenen thailändischen Brauerei vor. Nach langwierigen Genehmigungsverfahren erhielt das Unternehmen 1933 die notwendige Lizenz; am Chao Phraya in Bangkok entstand die Boon Rawd Brewery. Für die technische Ausstattung spielte Deutschland eine bemerkenswerte Rolle. Zeitgenössische Darstellungen nennen deutsche Anlagen im Wert von rund 400.000 Baht und einen deutschen Fachmann, der den Aufbau begleitete.
Damit befand sich Anfang der 1930er-Jahre mitten in Bangkok eine Situation, die für FASTWAHR nahezu ideale Forschungsbedingungen bietet: Thailändische Unternehmer wollten Bier brauen. Deutsche Maschinen wurden geliefert. Deutsche Fachleute erklärten deren Bedienung. Und niemand kontrollierte, ob sich unter den Deutschen möglicherweise einige Personen befanden, deren Qualifikation weniger im Maschinenbau als im Umgang mit dem fertigen Produkt lag.
Das tropische Problem
Die Herstellung von Bier in einem heißen Land stellte die Beteiligten vor technische Herausforderungen. Moderne Kühlung machte es zwar grundsätzlich möglich, unter tropischen Bedingungen Lagerbier herzustellen, doch dafür mussten Anlagen und Produktionsabläufe zuverlässig funktionieren. Nach unserer Rekonstruktion kam es während einer der ersten Beratungen zu einer Diskussion über die erforderliche Temperatur.
Ein deutscher Fachmann erklärte ausführlich die Bedeutung kontrollierter Gärung und Lagerung. Ein zweiter verwies auf die Kühltechnik. Der Schlaraffe soll sich das angehört und anschließend gefragt haben: „Warum trinken wir es nicht einfach schneller?“
Dieser Vorschlag fand keinen Eingang in die technischen Unterlagen. Vermutlich zu Recht.
Stattdessen entstand eine moderne Brauerei, die 1934 mit der Produktion begann. Zu den ersten Marken gehörte ein Bier, dessen Name weltweit bekannt werden sollte: Singha.
Der Löwe gewinnt
Singha bedeutet Löwe und bezieht sich auf ein mythisches löwenartiges Wesen der süd- und südostasiatischen Tradition. Der goldene Singha wurde zum unverwechselbaren Zeichen des Bieres. FASTWAHR interessiert daran vor allem, was nicht auf dem Etikett landete.
Nach unserer Theorie wurde während der Entwicklung des Markenzeichens nämlich noch ein zweites Tier vorgeschlagen. Ein Uhu.
Die Argumentation soll ausgesprochen sorgfältig gewesen sein. Der Uhu sei nachtaktiv, besitze einen hervorragenden Überblick und passe hervorragend zu einer Gemeinschaft, die ihre wichtigsten Aktivitäten bevorzugt am Abend entfaltet. Die thailändische Seite entschied sich dennoch für den Löwen.
Aus heutiger Sicht war das vermutlich richtig. Uhu Beer hätte international einige Erklärungen benötigt.
Die erste Flasche verändert Thailand
1934 begann die Produktion. Thailand besaß nun sein erstes im eigenen Land gebrautes Bier. Aus dem Unternehmen entwickelte sich ein bedeutender thailändischer Getränkekonzern, Singha wurde zu einer international bekannten Marke. Damit könnte unsere Geschichte enden. Sie tut es leider nicht.
Denn rund vier Jahrzehnte später geschah in Thailand etwas, das die Ereignisse der 1930er-Jahre in einem neuen Licht erscheinen lässt. Wieder tauchten Deutsche auf. Wieder ging es um Bier. Und diesmal trugen sie die merkwürdigen Mützen ganz offiziell.
1973 kehrt der Uhu zurück
Die tatsächliche Geschichte des Castrum Siamesiae beginnt 1973. Ritter Nomadicus, der aus dem japanischen Reych Kobea Japonica kam und als Kanzler an die deutsche Botschaft in Bangkok versetzt worden war, traf dort auf Ritter Gishi, einen Architekten, der den Neubau der deutschen Botschaft betreute.
Gemeinsam mit weiteren Schlaraffen entstand die Colonie am Menam, dem heutigen Chao Phraya. Das Mutterreych wurde die Berliner Berolina. Bereits 1974 folgte ein großes Gründungsfest; ein Jahr später wurde das Castrum Siamesiae als selbstständiges Reych sanktioniert.
Besonders bemerkenswert ist ein Detail aus der Frühgeschichte. Ein Pilger schenkte der jungen Colonie einen echten ausgestopften Uhu, den er auf einem Sonntagsmarkt erworben hatte.
Der Uhu wacht nach Darstellung des Reyches bis heute über die Sippungen. Damit war jenes Tier, das FASTWAHR bereits 1933 vergeblich auf einem Bieretikett vermutet, vierzig Jahre später doch noch in Bangkok angekommen.
Dann wird die Sache endgültig verdächtig
Im Jahr 2022 trat das Castrum Siamesiae dem Bund der Quellreyche bei. „Quell“ bedeutet in der schlaraffischen Sprache Bier. Seitdem trägt das thailändische Reych die Bezeichnung Quellreych XIII. Besucher können dort ihren Quellreych-Pass abstempeln lassen – nach Angaben des Reyches sogar bei jeder Sippung.
Damit ergibt sich eine historische Abfolge, die FASTWAHR lediglich protokolliert: In den frühen 1930er-Jahren reist ein thailändischer Unternehmer nach Europa, studiert das Bierbrauen und holt deutsche Brautechnik nach Bangkok. 1934 entsteht das erste thailändische Bier. 1973 gründen Schlaraffen in Thailand ein Reych. Ein ausgestopfter Uhu wird beschafft. Und 2022 erklärt sich dieses Reych offiziell zum Quellreych.
Für Historiker sind dies voneinander unabhängige Ereignisse. Für FASTWAHR ist es eine bemerkenswert lange Projektlaufzeit.
Vielleicht dauerte die Bauabnahme einfach 88 Jahre
Unsere Redaktion hält deshalb eine alternative Interpretation für zumindest erzählerisch prüfenswert. Möglicherweise verließen die schlaraffischen Berater Bangkok nach Einrichtung der Brauerei keineswegs endgültig. Vielleicht wurde lediglich vereinbart, nach angemessener Betriebsdauer zu kontrollieren, ob das Produkt den Anforderungen entspricht. Bei Bier sollte man schließlich nichts überstürzen.
Zwischen Produktionsbeginn 1934 und Aufnahme des Castrum Siamesiae in die Quellreyche 2022 liegen 88 Jahre. Das erscheint für eine Qualitätskontrolle lang.
Andererseits existiert die Brauerei noch immer. Das Produkt ebenfalls. Und Schlaraffen trinken in Thailand Bier.
Die Langzeitprüfung kann damit als erfolgreich betrachtet werden.
Was davon stimmt
Die echten Fakten zu Singha · Boon Rawd Brewery · Phraya Bhirom Bhakdi · Bangkok
- Wahr: Phraya Bhirom Bhakdi betrieb zuvor einen Fährdienst über den Chao Phraya zwischen Bangkok und Thonburi, der mit dem Bau der Brücken an Bedeutung verlor.
- Wahr: Der deutsche Ingenieur und Importeur Emil Eisenhofer brachte ihn mit deutschem Bier in Berührung. Bhirom Bhakdi reiste nach Europa, unter anderem nach Deutschland und Dänemark, und studierte das Brauwesen.
- Wahr: 1933 erhielt die Boon Rawd Brewery ihre Lizenz, gebaut wurde in Samsen am Chao Phraya in Bangkok; 1934 kamen die ersten Flaschen auf den Markt. Zu den ersten Marken gehörte Singha.
- Wahr: Das Castrum Siamesiae (383) entstand 1973 in Bangkok mit Ritter Nomadicus, Kanzler der deutschen Botschaft, und Ritter Gishi, Architekt des Botschaftsneubaus; Mutterreych war die Berolina. 1974 folgte das Stiftungsfest, ein Jahr später die Sanktion.
- Wahr: Ein Pilger schenkte der jungen Colonie einen ausgestopften Uhu vom Sonntagsmarkt. Seit 2022 gehört das Reych als Quellreych XIII zum Bund der Quellreyche und stempelt den Quellreych-Pass bei jeder Sippung.
- Erfunden: die schlaraffischen Bierberater der 1930er-Jahre, der Uhu als Markenvorschlag, schnelleres Trinken statt Kühltechnik und die 88-jährige Qualitätskontrolle. Einen belegten Zusammenhang zwischen thailändischem Bier und der Schlaraffia in Thailand gibt es nicht.
- KI-generiert: das Bild.
Historische Zuverlässigkeit: 14 %FASTWAHR-Faktor: 86 %
Fast erfunden. Das Bier ist echt.
Die Schlaraffen aus dieser Geschichte gibt es wirklich – das Castrum Siamesiae (383) sippt heute bei Pattaya, in der Regel zweimal im Monat dienstags. Gäste sind willkommen.
Weiterführende Informationen
Schlaraffia
- Schlaraffia Castrum Siamesiae (383), Thailand schlaraffia-thailand.org
- Castrum Siamesiae: Geschichte des Reyches schlaraffia-thailand.org
- Quellreyche: Castrum Siamesiae, Quellreych XIII quellreyche.de
Hintergrund
- Nation Thailand: Phraya Bhirombhakdi, the man behind Thailand’s first beer nationthailand.com
- Wikipedia: Boon Rawd Brewery en.wikipedia.org
FASTWAHR ist Satire und Parodie. Die Bilder sind KI-generiert; dargestellte Personen, Wappen und Aufschriften sind erfunden. Anspielungen auf bekannte Werke sind als Parodie gemeint. Mehr dazu


