FASTWAHR ermittelt1863–1976
Abriss alter Brauerei legt Schlaraffenburg frei

KI-generiertes Bild · Die dargestellte Szene hat so nicht stattgefunden. Personen, Banner und Aufschriften frei erfunden.
Doch unter der Erde blieb etwas zurück. Gewaltige gemauerte Gewölbe. Kühlräume. Lagerkeller.
Und schließlich: eine Schlaraffenburg.
Was zunächst wie eine ungewöhnliche Nachnutzung eines Industriedenkmals aussah, wirft inzwischen Fragen auf. Denn ausgerechnet die dort ansässige Schlaraffia Im Sachsenwald (389) gehört heute zu jenen Reychen, bei denen Bier und seine Kultur eine besondere Rolle spielen.
FASTWAHR wollte wissen: Wurde unter der Brauerei tatsächlich nur Bier gelagert?
Alles begann mit einem durchaus vernünftigen Vorhaben
1863 wurde in Bergedorf die Bergedorfer Actien-Bier-Brauerei gegründet. 1864 nahm sie ihren Betrieb auf. Das Unternehmen wuchs rasch. In einer Zeit, in der moderne Kältemaschinen noch nicht selbstverständlich waren, benötigte man für die Herstellung und Lagerung untergäriger Biere vor allem eines: Kälte. Und davon möglichst viel.
Deshalb entstanden unter der Brauerei gewaltige Kelleranlagen. In den kalten Monaten wurde Natureis eingelagert, um die Räume auch im Sommer auf niedriger Temperatur zu halten. Die historischen Keller erstrecken sich über zwei Ebenen und umfassen rund 5.000 Quadratmeter.
Die offizielle Erklärung lautet: Man brauchte die Keller für das Bier. Das ist nachvollziehbar. FASTWAHR fand zunächst keinen Grund, daran zu zweifeln.
Dann fiel uns das Gründungsjahr auf.
Nur vier Jahre nach Prag beginnen die Arbeiten
1859 war in Prag die Schlaraffia entstanden. Nur wenige Jahre später begann bei Hamburg der Aufbau einer Brauerei mit einer außergewöhnlich großen unterirdischen Kelleranlage.
Ein Zusammenhang ist historisch nicht belegt. Das muss ausdrücklich festgehalten werden. Trotzdem fällt die zeitliche Nähe auf.
FASTWAHR hat deshalb rekonstruiert, wie ein entsprechendes Baugespräch möglicherweise verlaufen wäre.
„Wofür benötigen Sie derart große unterirdische Räume?“ „Bier.“ „Und weshalb müssen sie so kalt sein?“ „Bier.“ „Warum sind die Gewölbe so massiv?“ „Bier.“ „Was soll dort unten eigentlich genau passieren?“ „Bier.“
Damit dürften sämtliche bauaufsichtlichen Fragen des Jahres 1863 beantwortet gewesen sein.
Die Brauerei entwickelt ungewöhnlichen Durst
Das Unternehmen wuchs. Und zwar erheblich. 1887 produzierte die Bergedorfer Actien-Bier-Brauerei bereits 38.758 Hektoliter Bier. Die vier anderen Bergedorfer Brauereien kamen zusammen lediglich auf 6.455 Hektoliter. Das Bergedorfer Bier wurde weit über die Region hinaus verkauft.
Die Wirtschaftsgeschichte erklärt diese Zahlen mit erfolgreicher Produktion und wachsendem Absatz. FASTWAHR akzeptiert diese Erklärung. Sie wirft allerdings eine weitere Frage auf: Warum brauchte man derart viel Bier?
Die Antwort lautet vermutlich: weil man es verkaufte. Auch hierfür existieren belastbare Hinweise.
Die von uns untersuchte historische Aufnahme macht die Angelegenheit allerdings komplizierter.
Unbekannte Männer zwischen den Braukesseln
Das Bild zeigt Arbeiter in einer historischen Brauerei. Fässer. Braugeräte. Behälter.
Und mehrere Männer, die hinsichtlich ihrer Bekleidung nicht vollständig in das bekannte Erscheinungsbild norddeutscher Brauereiarbeiter des 19. Jahrhunderts passen. Sie tragen lange Gewänder und auffällige Kopfbedeckungen. Mindestens einer scheint sich intensiv mit einem Bierfass zu beschäftigen.
FASTWAHR hält dies allein noch nicht für verdächtig. Die Kleidung erinnert allerdings auffällig an spätere schlaraffische Ornate.
Sollte die Aufnahme authentisch sein, ergäbe sich daraus ein erhebliches chronologisches Problem. Denn das Reych Im Sachsenwald existierte damals noch gar nicht. Die Männer hätten somit entweder nichts mit der späteren Schlaraffia zu tun.
Oder sie waren außerordentlich früh da.
Die Keller werden immer verdächtiger
Für die Brauerei waren die unterirdischen Räume unverzichtbar. Natureis wurde eingelagert. Bier wurde gekühlt. Fässer wurden gelagert. Aus Sicht der Brauereigeschichte ergibt das vollkommen Sinn.
Aus Sicht der Schlaraffen allerdings ebenfalls. Eine unterirdische Burg benötigt keine Klimaanlage. Massive Ziegelgewölbe sorgen für Atmosphäre. Lärm dringt nur begrenzt nach außen. Und die Getränke befinden sich bereits vor Ort.
FASTWAHR hält es daher zumindest technisch für möglich, dass die Anlage beide Aufgaben hätte erfüllen können. Beweise dafür gibt es nicht.
Das ist bei geheimen unterirdischen Anlagen allerdings nicht vollkommen ungewöhnlich.
Dann übernimmt Holsten
1914 wurde die Bergedorfer Brauerei von der Holsten-Brauerei übernommen. Die eigenständige Produktion verlor in der Folge ihre ursprüngliche Bedeutung. Damit begann der langsame Niedergang des Brauereistandortes.
Für unsere Untersuchung ist bemerkenswert, dass die unterirdischen Räume davon weitgehend unberührt blieben. Oben änderten sich Eigentümer und Nutzung. Unten: Keller.
Die Jahrzehnte vergingen. Dann kam das Jahr 1965.
Die Brauerei verschwindet
1965 brannten die oberirdischen Gebäude der ehemaligen Brauerei ab. Damit hätte die Geschichte der Anlage enden können. Tat sie aber nicht.
Denn die gewaltigen Kellergewölbe überstanden das Ende der Brauerei. Später wurde das Gelände oberhalb neu bebaut; in den 1980er-Jahren entstanden dort Wohnhäuser. Die historischen Keller blieben darunter erhalten.
Das führte zu einer ungewöhnlichen Situation: Die Brauerei war weg. Der Keller war noch da.
Und ein Keller ohne Brauerei stellt zwangsläufig die Frage: Was macht man damit?
Elf Jahre später erscheinen die Schlaraffen
1976 entstand das Reych Im Sachsenwald (389). Zwischen dem Brand der ehemaligen Brauerei und der Gründung des Reyches lagen damit gerade einmal elf Jahre.
Die traditionelle Geschichtsschreibung betrachtet dies als zeitliche Abfolge. FASTWAHR ebenfalls.
Eine ausgesprochen günstige zeitliche Abfolge.
Denn irgendwann bezogen die Schlaraffen genau jene historischen Kellergewölbe, die das Ende der Brauerei überlebt hatten. Dort befindet sich heute ihre: Hubertus-Burg.
Das Reych beschreibt selbst seine außergewöhnliche Burg in den alten Gewölben der Bergedorfer Brauerei. Damit war ein bemerkenswerter Transformationsprozess abgeschlossen.
Aus einer Brauerei wurde keine Schlaraffenburg. Die Brauerei verschwand einfach. Die Schlaraffenburg blieb übrig.
Forscher gingen zunächst von Zufall aus
Natürlich gibt es für diesen Vorgang eine vollkommen vernünftige Erklärung. Ein historischer Keller war vorhanden. Er eignete sich hervorragend als außergewöhnlicher Versammlungsort. Die Schlaraffen nutzten ihn. Fertig.
FASTWAHR war bereit, die Akte zu schließen. Dann erhielten wir einen weiteren Hinweis.
Im Sachsenwald gehört heute zu den Quellreychen. Damit führt eine bemerkenswerte Linie durch die Geschichte: historische Brauerei, Bierproduktion, gewaltige Bierkeller, Ende der Brauerei, Schlaraffen im Keller, Bierkultur.
FASTWAHR musste die Akte wieder öffnen.
Das Quellreych-Problem
Die Idee der Quellreyche verbindet Schlaraffia mit regionaler Brau- und Bierkultur. Bei „Bier ist Kultur“ wird auch Im Sachsenwald in diesem Zusammenhang geführt. Damit stellt sich eine statistisch interessante Frage.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Gruppe Schlaraffen eine Burg in den erhaltenen Gewölben einer historischen Großbrauerei bezieht, dort dauerhaft bleibt, sich intensiv mit der Geschichte ihres Ortes beschäftigt und später ausgerechnet in einem Zusammenhang mit schlaraffischer Bierkultur als Quellreych auftaucht?
FASTWAHR versuchte, diese Wahrscheinlichkeit zu berechnen. Dazu wurden historische Produktionszahlen, Kellerflächen, Gründungsdaten und die durchschnittliche Zahl schlaraffischer Zusammenkünfte miteinander ins Verhältnis gesetzt.
Nach dem zweiten Bier wurde die Untersuchung eingestellt. Die Ergebnisse wären wissenschaftlich ohnehin nicht mehr belastbar gewesen.
Vielleicht war es doch andersherum
Deshalb prüfte FASTWAHR eine alternative Theorie. Möglicherweise wurde die Schlaraffenburg nicht in einer ehemaligen Brauerei eingerichtet. Möglicherweise wurde die Brauerei um eine bereits geplante Schlaraffenburg herum gebaut. Das würde einiges erklären.
Die riesigen Keller: Burg. Die Kühlung: Getränkeversorgung. Die gewaltige Bierproduktion: Betriebskostenumlage. Die oberirdischen Brauereigebäude: Tarnung. Den späteren Brand: nicht Bestandteil der Planung.
Diese Theorie besitzt lediglich einen erheblichen Schwachpunkt. Das Reych Im Sachsenwald wurde erst 1976 gegründet. Die Keller sind mehr als hundert Jahre älter. FASTWAHR betrachtet dies als problematisch.
Andererseits hat uns die Wartburg bereits gelehrt, dass bei Burgen nicht jede Datierung sofort sämtliche Fragen beantwortet.
Die entscheidende Entdeckung liegt unter der Erde
Heute stehen über Teilen der ehemaligen Brauerei längst andere Gebäude. Wer die Geschichte nicht kennt, würde kaum vermuten, welche Industrieanlage sich dort einst befand.
Doch unter der Erde sind die historischen Gewölbe erhalten. Und dort sippen Schlaraffen. Das ist vielleicht die schönste Pointe der gesamten Geschichte.
Von der einst bedeutenden Brauerei verschwanden die weithin sichtbaren Produktionsanlagen. Die Schornsteine verschwanden. Die Brauereigebäude verschwanden. Die industrielle Bierproduktion verschwand.
Geblieben ist ausgerechnet jener Teil, der sich am besten als Burg eignet. Der Keller.
FASTWAHR hält dies für einen bemerkenswerten Erfolg langfristiger Raumplanung.
Was davon stimmt
Die echten Fakten zu Hamburg-Bergedorf · Bergedorfer Actien-Bier-Brauerei · Holsten-Brauerei
- Wahr: Die Bergedorfer Actien-Bier-Brauerei wurde 1863 gegründet und nahm 1864 den Betrieb auf. 1887 braute sie 38.758 Hektoliter, die vier traditionellen Bergedorfer Brauereien zusammen 6.455 Hektoliter.
- Wahr: Für die Kühlung entstanden teils zweistöckige, ziegelgewölbte Eiskeller von rund 5.000 Quadratmetern. Das Eis kam im Winter aus eigenen Brauereiteichen.
- Wahr: 1914 übernahm Holsten den Betrieb. Im Dezember 1965 brannten die Brauereigebäude ab; die Keller blieben erhalten und liegen heute unter Wohnhäusern aus den 1980er-Jahren.
- Wahr: Das Reych Im Sachsenwald (389) wurde 1976 gegründet. Seine Hubertusburg in den alten Brauereikellern an der Chrysanderstraße wurde 1987 geweiht. Seit 2019 ist es das VI. Quellreych.
- Erfunden: dass die Keller im 19. Jahrhundert als geheime Schlaraffenburg angelegt wurden.
- Erfunden: die Schlaraffen auf dem angeblich historischen Brauereifoto.
- KI-generiert: das Bild.
Historische Zuverlässigkeit: 10 %FASTWAHR-Faktor: 90 %
Fast erfunden. Die Schlaraffen allerdings gibt es wirklich.
Fast erfunden. Der Bierkeller allerdings ist echt. Brauerei: verschwunden. Keller: erhalten. Bier: weiterhin von Interesse. Schlaraffen: im Keller vorgefunden. Zusammenhang: selbstverständlich rein zufällig.
Die Schlaraffen aus dieser Geschichte gibt es wirklich – Im Sachsenwald (389) sippt donnerstags in der Hubertusburg, im alten Brauereikeller in Bergedorf. Gäste sind willkommen.
Weiterführende Informationen
Schlaraffia
- Schlaraffia Im Sachsenwald (389), Hamburg-Bergedorf schlaraffia-im-sachsenwald.de
- Im Sachsenwald: VI. Quellreych schlaraffia-im-sachsenwald.de
- Bier ist Kultur: die Quellreyche bieristkultur.de
Hintergrund
- Bergedorf-Blog (Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg): Bier für die Welt blogs.sub.uni-hamburg.de
- unter-hamburg.de: Eiskeller in Bergedorf unter-hamburg.de
- Kultur- und Geschichtskontor: Kühles Bier in den Tiefen des Geesthangs vhkk.org
- bergedorf.blog: Bergedorf und sein berühmtes Bier bergedorf.blog
FASTWAHR ist Satire und Parodie. Die Bilder sind KI-generiert; dargestellte Personen, Wappen und Aufschriften sind erfunden. Anspielungen auf bekannte Werke sind als Parodie gemeint. Mehr dazu


