Große Persönlichkeiten1628–1959
Jahrzehntelang suchte Schwerin nach ihm. Dann tauchte diese Aufnahme auf.

KI-generiertes Bild · Die dargestellte Szene hat so nicht stattgefunden. Personen, Schilder und Aufschriften frei erfunden.
Im Schweriner Schloss gibt es ein Problem, das sich weder durch Restaurierung noch durch Aktenstudium vollständig beseitigen lässt. Dort wohnt jemand. Zumindest erzählen sich die Schweriner das seit Jahrhunderten.
Er soll klein sein, einen Bart tragen und nachts durch Keller, Dachböden und Gänge streifen. Manchmal erscheint er im langen schwarzen Rock mit weißem Kragen und Kappe, manchmal als Reitersmann mit Stiefeln, Degen und Federhut. Er trägt Schlüssel und Laterne, hilft den Guten, bestraft Diebe und besitzt eine bemerkenswerte Abneigung gegen Menschen, die sich im Schloss nicht benehmen können. Sein Name ist Petermännchen.
Die Stadt Schwerin zählt mehr als 500 Sagen und Geschichten über ihren Schlossgeist. Er gehört damit nicht nur zu den bekanntesten Figuren der Stadt, sondern dürfte auch zu den am besten dokumentierten Personen gehören, die mit großer Wahrscheinlichkeit niemals existiert haben.
FASTWAHR hat sich deshalb zunächst nicht mit der Frage beschäftigt, ob es das Petermännchen gab. Uns interessierte vielmehr, warum es irgendwann verschwand.
Denn genau dabei stießen wir auf das Jahr 1947.
Ein Hausmeister mit ungewöhnlichen Methoden
Die älteren Überlieferungen beschreiben das Petermännchen erstaunlich konkret. Es soll in den weitläufigen Gewölben des Schlosses gelebt und über das Gebäude gewacht haben. Soldaten, die während der Nachtwache einschliefen, weckte es rechtzeitig, bevor ihre Vorgesetzten sie erwischten. Diebe und unerwünschte Besucher behandelte es weniger freundlich: Sie wurden erschreckt, geplagt oder durch nächtlichen Lärm vertrieben.
Selbst Wallenstein soll daran gescheitert sein. Der Feldherr wollte nach der Sage das Schweriner Schloss als Residenz nutzen. Das Petermännchen soll ihm den Aufenthalt jedoch derart verleidet haben, dass Wallenstein schließlich Schloss Güstrow vorzog.
Aus moderner Sicht ergibt sich damit ein erstaunlich klares Tätigkeitsprofil. Das Petermännchen kontrollierte das Gebäude. Es überprüfte das Wachpersonal. Es verfügte über Schlüssel. Es kümmerte sich um ungebetene Gäste. Und wenn erforderlich, sorgte es selbst für deren Entfernung.
Heute würde man diese Tätigkeit vermutlich als Facility Management mit erweitertem Sicherheitsauftrag ausschreiben. Damals genügte ein Kobold.
Die Kleidung verriet die Stimmung
Besonders hilfreich für Historiker ist die überlieferte Kleiderordnung des Schlossgeistes. Meist erschien er grau. Vor Kriegen soll er rote Kleidung getragen haben, beim bevorstehenden Tod eines Mitglieds der herzoglichen Familie dagegen schwarz.
Damit war das Petermännchen nicht nur Schlossgeist, sondern zugleich ein frühes optisches Warnsystem. FASTWAHR hält fest, dass diese Methode einige Vorteile gegenüber modernen Warn-Apps besaß. Man benötigte weder Mobilfunk noch Stromversorgung. Es genügte, nachts einem kleinen Mann im Schloss zu begegnen und dessen Mantelfarbe korrekt zu interpretieren.
Die Nachteile lagen hauptsächlich darin, dass zunächst ein kleiner Mann erscheinen musste.
1913 wird es ernst
Eine der letzten überlieferten Begegnungen fällt in ein Jahr, in dem das Schweriner Schloss tatsächlich von einer Katastrophe getroffen wurde. In der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember 1913 brach im Schloss ein schwerer Brand aus. Teile des Gebäudes wurden zerstört. Nach der Schweriner Überlieferung soll das Petermännchen in diesem Zusammenhang einer Tochter der großherzoglichen Familie erschienen sein.
Wenige Jahre später endete die Monarchie. Damit verlor das Petermännchen möglicherweise seinen bisherigen Arbeitgeber. Für einen Schlossgeist ist das ein Problem, das in den Sagen nur selten behandelt wird. Geister besitzen normalerweise ewige Dienstverhältnisse. Politische Systemwechsel sind darin nicht vorgesehen.
Danach werden die Sichtungen seltener. Eine der letzten schriftlich überlieferten stammt aus dem Jahr 1930. Ein Polizist soll im Burggarten eine Gestalt mit spitzem Hut gesehen haben, die anschließend verschwand.
Dann verliert sich die Spur. Zumindest die offizielle.
FASTWAHR findet 1947
Bei unseren Recherchen zur Schweriner Vereinsgeschichte stießen wir auf eine Angabe, die zunächst völlig nebensächlich erschien. In Schwerin existierte seit 1885 ein Schlaraffenreych. Die Suerina, Reych Nr. 79, soll von Theaterleuten, Mitgliedern der Hofkapelle und kunstinteressierten Kaufleuten gegründet worden sein. Nach dem Verbot der Schlaraffia während der NS-Zeit trafen sich die Schweriner Schlaraffen nach dem Krieg zunächst wieder vorsichtig. Ab 1947 fanden ihre Zusammenkünfte regelmäßig in der Theaterklause statt.
Und dort bezogen sie einen bestimmten Raum. Das Petermännchen-Zimmer.
Unsere Redaktion hat diese Information mehrfach gelesen. Nicht weil sie kompliziert wäre. Sondern weil sie ein Problem verursacht.
Jahrhundertelang läuft in Schwerin ein kleiner Mann mit merkwürdiger Kleidung durch das Schloss. 1930 wird eine Gestalt mit ungewöhnlicher Kopfbedeckung letztmals im Burggarten gesehen. Danach verschwinden die Sichtungen weitgehend. Und 1947 trifft sich ein Verein von Männern mit ausgesprochen ungewöhnlicher Kleidung ausgerechnet in einem Raum, der nach diesem Mann benannt ist.
Historiker nennen so etwas Zufall. FASTWAHR nennt es Arbeitsgrundlage.
Das Foto aus der Theaterklause
Den entscheidenden Hinweis liefert eine Aufnahme, die wir der unmittelbaren Nachkriegszeit zuordnen. Sie zeigt mehrere Herren in einem Gastraum. Auf dem Tisch stehen Gläser. Einige Männer tragen lange Mäntel und jene eigentümlichen Kopfbedeckungen, die Schlaraffen bis heute verwenden.
Am Rand des Bildes steht ein kleiner älterer Herr. Er trägt einen Schlüsselbund. Seine Kleidung unterscheidet sich von der der übrigen Anwesenden, weist jedoch genügend Gemeinsamkeiten auf, um unsere Redaktion vor erhebliche wissenschaftliche Herausforderungen zu stellen.
Auf der Rückseite der Fotografie befindet sich lediglich ein handschriftlicher Vermerk: „Peter wieder da.“
Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass sowohl das Foto als auch diese Beschriftung von FASTWAHR erfunden wurden. Das macht die Quellenlage übersichtlicher.
Vielleicht war er nie verschwunden
Unsere Arbeitshypothese lautet deshalb anders. Das Petermännchen verschwand nach 1930 nicht. Es wechselte lediglich die Tätigkeit.
Der frühere Schlosswächter verfügte über jahrhundertelange Erfahrung mit nächtlichen Veranstaltungen, merkwürdig gekleideten Herren, verschlossenen Räumen, Schlüsseln und gelegentlichem Lärm. Für eine schlaraffische Burg war er damit nahezu überqualifiziert. Möglicherweise erklärt dies auch, warum die Suerina ausgerechnet das Petermännchen-Zimmer bezog.
Nicht die Schlaraffen fanden den Raum. Der Raum fand die Schlaraffen.
Allerdings gab es bald wieder Schwierigkeiten
Lange blieb die neue Bleibe nicht ungestört. In der DDR waren Schlaraffia und ihre Aktivitäten unerwünscht. Ende 1959 durften sich die Schweriner Freunde nicht mehr öffentlich treffen; nach Angaben der Suerina erreichte sie zu Weihnachten sogar eine Strafverfügung.
Damit begann erneut eine Zeit, in der die Schlaraffen aus dem öffentlichen Leben verschwanden. Ganz aufgehört haben sie trotzdem nicht. In den 1970er- und 1980er-Jahren trafen sie sich unter anderem in einem umgebauten Schafstall in Alt Meteln. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Suerina wieder öffentlich aktiv und 1997 erneut in die Allschlaraffia aufgenommen.
Vom Petermännchen fehlt in diesen Unterlagen jede Spur. Das überrascht uns nicht.
Wer mehrere Jahrhunderte im Schweriner Schloss unentdeckt überlebt hat, dürfte gelernt haben, wann man besser nicht im Protokoll erscheint.
Was davon stimmt
Die echten Fakten zu Petermännchen (Schwerin) · Schweriner Schloss · Schwerin
- Wahr: Das Petermännchen ist der sagenhafte Hausgeist des Schweriner Schlosses; die Stadt Schwerin spricht von mehr als 500 Sagen über ihn. Er erscheint als alter Mann mit weißem Bart, schwarzem Rock und Kappe oder als Reiter mit Degen und Federhut, stets mit Schlüsselbund und Laterne.
- Wahr: Laut Sage weckte er schlafende Wachsoldaten, vertrieb Diebe und Eindringlinge und verleidete Wallenstein das Schloss so sehr, dass dieser nach Güstrow auswich. Seine Kleidung kündigte Kommendes an: grau im Alltag, rot vor Kriegen, schwarz vor einem Todesfall im Fürstenhaus.
- Wahr: Beim Schlossbrand im Dezember 1913 soll er einer Tochter der großherzoglichen Familie erschienen sein; 1930 will ein Polizist im Burggarten eine Gestalt mit spitzem Hut gesehen haben.
- Wahr: Die Schlaraffia Suerina (79) besteht in Schwerin seit 1885. Ab 1947 sippte sie in der HO-Gaststätte „Theaterklause“ – im Petermännchen-Zimmer. Zu Weihnachten 1959 kam eine Strafverfügung, danach wurde im Verborgenen weitergesippt, in den 1970er- und 80er-Jahren im Schafstall von Rt Babyfex in Alt Meteln. 1997 wurde die Suerina wieder in die Allschlaraffia aufgenommen.
- Erfunden: der Arbeitsplatzwechsel des Petermännchens, sein Schlüsselbund bei der Suerina und das Foto mit dem Vermerk „Peter wieder da“.
- KI-generiert: das Bild.
Historische Zuverlässigkeit: 3 %FASTWAHR-Faktor: 97 %
Fast erfunden. Das Petermännchen-Zimmer ist echt.
Die Schlaraffen aus dieser Geschichte gibt es wirklich – die Suerina (79) sippt im Winterhalbjahr mittwochs in Schwerin-Warnitz. Gäste sind herzlich willkommen.
Weiterführende Informationen
Schlaraffia
- Schlaraffia Suerina (79), Schwerin schlaraffia-schwerin.de
- Suerina: SBZ und DDR 1947–1989 schlaraffia-schwerin.de
- Kulturportal MV: Schlaraffia in Schwerin kultur-mv.de
Hintergrund
- Landeshauptstadt Schwerin: Der Schlossgeist Petermännchen schwerin.de
- Wikipedia: Petermännchen (Schwerin) de.wikipedia.org
FASTWAHR ist Satire und Parodie. Die Bilder sind KI-generiert; dargestellte Personen, Wappen und Aufschriften sind erfunden. Anspielungen auf bekannte Werke sind als Parodie gemeint. Mehr dazu


