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FASTWAHR ermittelt1793–1991

Was 1793 in Washington vergraben wurde, beschäftigt Experten bis heute

Washington,

Bei einer feierlichen Zeremonie verschwand etwas unter einem der wichtigsten Gebäude Amerikas. Fast zweihundert Jahre später begann eine aufwendige Suche – ohne eindeutiges Ergebnis. Eine bislang unbeachtete Aufnahme macht die Sache nicht einfacher.

FASTWAHR-Redaktion 6 Min. Lesezeit Satire
KI-generierte Satire-Illustration: Grundsteinlegung mit Flaschenzug und Steinblock: Männer in Freimaurerschurzen und Dreispitzen, daneben Herren in Umhängen und schlaraffischen Helmen mit Bauplan und Uhu; im Hintergrund Zelte, Fahne und Kuppelbau

KI-generiertes Bild · Die dargestellte Szene hat so nicht stattgefunden. Personen, Kleidung und Kulisse frei erfunden; das Kapitol mit Kuppel gab es 1793 noch nicht.

Am 18. September 1793 herrschte auf dem noch weitgehend unbebauten Capitol Hill ungewöhnlich viel Betrieb. George Washington war gekommen, zahlreiche Gäste begleiteten ihn, Freimaurer nahmen in zeremonieller Kleidung an den Feierlichkeiten teil, Musik erklang, Artillerie feuerte Salutschüsse. In einer vorbereiteten Baugrube wurde eine silberne Platte niedergelegt, darüber ein gewaltiger Stein abgesenkt. Anschließend verwendete man bei der feierlichen Weihe unter anderem Korn, Wein und Öl. Es war die Grundsteinlegung des Kapitols.

Der Vorgang ist historisch gut dokumentiert. Trotzdem besitzt er eine bemerkenswerte Lücke: Heute weiß niemand mit letzter Sicherheit, wo sich dieser Grundstein befindet. Das allein hätte FASTWAHR noch nicht beschäftigt. Problematisch wurde die Angelegenheit erst, als in unserem Archiv eine Darstellung der Zeremonie auftauchte, auf der zwischen den Teilnehmern einige Männer zu erkennen sind, deren Kleidung erstaunlich wenig mit dem zu tun hat, was man 1793 auf einer amerikanischen Baustelle erwarten würde.

Damit begann unsere Untersuchung.

Eine Hauptstadt entsteht auf dem Papier

Washington war damals noch weit davon entfernt, die Stadt zu sein, die wir heute kennen. Der Residence Act von 1790 hatte die Grundlage für einen neuen dauerhaften Regierungssitz geschaffen. George Washington bestimmte das Gebiet am Potomac, Pierre Charles L’Enfant plante die neue Hauptstadt und setzte das künftige Capitol an eine erhöhte Stelle, die damals Jenkins’ Hill genannt wurde. L’Enfant beschrieb sie als eine Art Sockel, der auf ein Monument warte. Das Monument selbst existierte zunächst nur als Idee. Und selbst bei der Idee gab es Schwierigkeiten.

L’Enfant sollte eigentlich auch das Capitol entwerfen, weigerte sich jedoch, konkrete Bauzeichnungen vorzulegen. Nach seiner Darstellung befand sich der Entwurf in seinem Kopf. Die zuständigen Commissioners fanden diese Form der Dokumentation wenig hilfreich und trennten sich 1792 von ihm.

Daraufhin schrieb man einen Wettbewerb aus. 17 Entwürfe gingen ein. Keiner überzeugte.

Für ein Land, das gerade eine neue Hauptstadt errichtete, war das keine ideale Ausgangslage.

Dann kommt ein Arzt aus der Karibik

Nach Ablauf des Wettbewerbs meldete sich William Thornton, ein in Schottland ausgebildeter Arzt, der auf Tortola in den British West Indies lebte. Obwohl die Einreichungsfrist bereits vorbei war, durfte er seinen Entwurf noch vorlegen. George Washington gefiel, was er sah. Thornton hatte einen monumentalen Mittelbau mit Kuppel und zwei seitlichen Flügeln vorgesehen. Der Entwurf wurde 1793 angenommen; Thornton erhielt 500 Dollar und ein Grundstück in Washington.

Damit war das Problem eigentlich gelöst. Eigentlich. Denn nun musste das Gebäude noch gebaut werden. Und genau an dieser Stelle wurde aus einem Architekturprojekt eine jener Geschichten, bei denen FASTWAHR zunehmend Schwierigkeiten hat, historische Wirklichkeit und schlaraffische Organisationskultur auseinanderzuhalten.

Die Architekten kamen und gingen

Thornton entwarf das Gebäude, leitete dessen Errichtung aber nicht selbst. Mehrere Architekten folgten nacheinander. Stephen Hallet versuchte, Änderungen am Entwurf durchzusetzen und wurde entlassen. George Hadfield wollte ebenfalls wesentliche Änderungen und wurde später ebenfalls entlassen. James Hoban, der Architekt des Weißen Hauses, brachte schließlich die erste Bauphase weiter voran.

Gleichzeitig fehlten Geld und Arbeitskräfte. Der Sandstein musste aus Virginia herangeschafft werden. Arbeiter mussten überhaupt erst dazu bewegt werden, in die damals noch dünn besiedelte Gegend von Capitol Hill zu kommen. 1796 waren die finanziellen Schwierigkeiten so groß, dass man sich auf den Nordflügel konzentrierte, damit wenigstens ein Teil des Gebäudes rechtzeitig bezogen werden konnte. Als die Bundesregierung 1800 einzog, waren einzelne Räume noch immer nicht fertig.

FASTWAHR kennt vergleichbare Projekte. Normalerweise handelt es sich dabei um Vereinsheime.

Der 18. September 1793

Doch zurück zum Anfang. Für die Grundsteinlegung wurde eine silberne Platte angefertigt. Der Silberschmied Caleb Bentley aus Georgetown stellte sie her. Während der Zeremonie wurde sie in die Baugrube gelegt, anschließend senkte George Washington den Grundstein darüber.

Die Veranstaltung war keineswegs nüchtern. Nach den offiziellen Handlungen wurde gefeiert. Ein rund 500 Pfund schwerer Ochse wurde gegrillt, und die Festgesellschaft verbrachte den weiteren Tag mit Essen und Unterhaltung.

An diesem Punkt fällt FASTWAHR ein Detail auf. Bei der Zeremonie spielten Korn, Wein und Öl eine Rolle. Danach gab es einen gewaltigen Braten. Es wurde gemeinsam gefeiert. Mehrere Teilnehmer erschienen in zeremonieller Kleidung. Und am Ende wusste niemand mehr genau, wo der wichtigste Stein lag.

Wir möchten ausdrücklich betonen, dass die Grundsteinlegung eine Freimaurerzeremonie war. George Washington selbst war Freimaurer, und die historischen Quellen sind in dieser Hinsicht eindeutig. Schlaraffia existierte zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Das ist für unsere Theorie ein erhebliches chronologisches Problem.

Allerdings nicht das einzige.

Irgendwann war der Grundstein weg

Nach der Zeremonie wurde weitergebaut. Mauern wuchsen, Flügel entstanden, das Gebäude wurde verändert, erweitert, 1814 von britischen Truppen in Brand gesetzt, anschließend wiederhergestellt und später noch erheblich vergrößert. Die heutige monumentale Kuppel kam erst im 19. Jahrhundert hinzu.

Über all diesen Veränderungen geriet eine eigentlich einfache Information verloren: Wo genau liegt der Grundstein? Niemand hatte seine Position so dokumentiert, dass sie zwei Jahrhunderte später zweifelsfrei festzustellen gewesen wäre.

Das ist bemerkenswert. Man baut eines der wichtigsten Gebäude eines neuen Staates, veranstaltet eine aufwendige Zeremonie, legt eine eigens angefertigte Silberplatte darunter – und anschließend verliert man den Stein.

FASTWAHR hält dies für menschlich.

1991 beginnt die Suche

Fast zweihundert Jahre später wollte man es genauer wissen. 1991 begann eine wissenschaftliche Untersuchung. Fachleute des U.S. Geological Survey wurden hinzugezogen. Bodenproben wurden genommen, Bohrungen vorgenommen und empfindliche Metalldetektoren eingesetzt, die das Silber der unter dem Grundstein liegenden Platte aufspüren sollten.

Die Suche blieb zunächst erfolglos. Kein Silber. Keine Platte. Kein eindeutig identifizierter Grundstein.

Später untersuchte man anhand historischer Bauunterlagen eine andere Stelle. Dort fand sich tatsächlich ein ungewöhnlich großer Fundamentblock, der nach Einschätzung des Architect of the Capitol der gesuchte zeremonielle Stein sein könnte. Absolute Gewissheit besteht dennoch nicht; die Silberplatte könnte bei späteren Bauarbeiten verschwunden sein.

Damit war nach fast zweihundert Jahren zumindest geklärt: Der Grundstein befindet sich vermutlich irgendwo im Fundament des Gebäudes, dessen Grundstein er ist.

Die Untersuchung hatte den möglichen Aufenthaltsort erheblich eingegrenzt.

Und dann fanden wir das Bild

Genau hier kommt unsere Aufnahme ins Spiel. Sie zeigt die Baustelle während einer feierlichen Zusammenkunft. Männer stehen um eine Baugrube. Einige tragen die für die dokumentierte Freimaurerzeremonie typische Kleidung. Am Rand der Szene befinden sich jedoch weitere Herren.

Ihre Kopfbedeckungen wirken anders. Ihre langen Mäntel ebenfalls. Einer hält eine Rolle mit Bauzeichnungen. Ein zweiter scheint auf die Grube zu zeigen. Der dritte betrachtet etwas, das verdächtig nach einem kleinen Uhu aussieht.

Historiker werden einwenden, dass Schlaraffia erst 1859 in Prag gegründet wurde und daher 1793 unmöglich an der Grundsteinlegung des Capitols beteiligt gewesen sein kann. FASTWAHR stimmt diesem Einwand vollständig zu.

Wir können lediglich nicht erklären, warum die Herren trotzdem auf unserem künstlich erzeugten Bild zu sehen sind.

Washingtonia macht die Sache nicht besser

Mehr als ein Jahrhundert nach der Grundsteinlegung taucht in Washington tatsächlich ein Schlaraffenreych auf. Die Washingtonia (197) existiert bis heute und sippt in ihrer Potomacburg in Washington, D.C.

Natürlich besteht zwischen der Washingtonia und der Grundsteinlegung des Capitols keinerlei historischer Zusammenhang. Für unsere Redaktion wäre es ausgesprochen unseriös, aus der bloßen räumlichen Nähe eine Verbindung zu konstruieren. Deshalb tun wir das auch nicht.

Wir stellen lediglich fest, dass Washington einen bedeutenden zeremoniell gelegten Grundstein besitzt, dessen genaue Lage später verloren ging, und dass in derselben Stadt heute Männer in zeremonieller Kleidung zusammenkommen, die ihre Versammlungsstätte als Burg bezeichnen. Mehr lässt sich dazu wissenschaftlich nicht sagen.

FASTWAHR benötigt auch nicht wesentlich mehr.

Was davon stimmt

Die echten Fakten zu Kapitol (Washington) · George Washington · Washington, D.C. · Grundsteinlegung des Kapitols 1793

  • Wahr: Am 18. September 1793 legte George Washington den Grundstein des U.S. Capitol, in einer Freimaurerzeremonie. Unter den Stein kam eine Silberplatte des Georgetowner Silberschmieds Caleb Bentley; geweiht wurde mit Korn, Wein und Öl, danach wurde ein 500 Pfund schwerer Ochse gegrillt.
  • Wahr: L’Enfant nannte Jenkins’ Hill einen „Sockel, der auf ein Monument wartet“, lieferte aber keine Bauzeichnungen und wurde 1792 entlassen. Der Wettbewerb brachte 17 Entwürfe, die nicht überzeugten; der verspätete Entwurf des Arztes William Thornton aus Tortola gewann – Preis: 500 Dollar und ein Grundstück.
  • Wahr: Stephen Hallet und George Hadfield wurden wegen eigenmächtiger Planänderungen entlassen, James Hoban brachte die erste Bauphase zu Ende. Der Sandstein kam aus Aquia in Virginia; 1800 zog der Kongress ein, obwohl noch Räume unfertig waren. 1814 brannten britische Truppen das Gebäude nieder.
  • Wahr: Die Lage des Grundsteins geriet in Vergessenheit. 1991 suchten Fachleute des U.S. Geological Survey mit Bohrungen und auf Silber geeichten Metalldetektoren – ohne Erfolg. Später fand man einen auffallend großen Fundamentstein, den der Architect of the Capitol für den gesuchten hält; die Silberplatte verschwand vermutlich bei Bauarbeiten in den 1950er-Jahren.
  • Wahr: Schlaraffia wurde 1859 in Prag gegründet – 66 Jahre nach der Grundsteinlegung. In Washington sippt heute die Washingtonia (197) in ihrer Potomacburg.
  • Erfunden: die Schlaraffen bei der Grundsteinlegung und jeder Zusammenhang zwischen Schlaraffia und dem verschwundenen Stein.
  • KI-generiert: das Bild.

Historische Zuverlässigkeit: 9 %FASTWAHR-Faktor: 91 %

Fast erfunden. Der verschwundene Grundstein ist echt.

Die Schlaraffen aus dieser Geschichte gibt es wirklich – die Washingtonia (197) sippt in ihrer Potomacburg in Washington, D.C. Gäste sind willkommen.

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Weiterführende Informationen

Schlaraffia

Hintergrund

FASTWAHR ist Satire und Parodie. Die Bilder sind KI-generiert; dargestellte Personen, Wappen und Aufschriften sind erfunden. Anspielungen auf bekannte Werke sind als Parodie gemeint. Mehr dazu

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