Neu entdeckt1911–1925
Die Leica entstand, weil in Wetzlar niemand mehr für ein Gruppenfoto stillhalten wollte

KI-generiertes Bild · Die dargestellte Szene hat so nicht stattgefunden. Personen, Schilder und Aufschriften frei erfunden; Leitz und Leica sind Marken ihrer Inhaber.
Wer zu Beginn des 20. Jahrhunderts fotografieren wollte, musste Geduld besitzen. Kameras waren groß, schwer und arbeiteten häufig mit Glasplatten. Der Fotograf stellte sein Gerät auf, richtete es aus, bereitete die Aufnahme vor und hoffte anschließend, dass sich die abgebildeten Personen in der Zwischenzeit nicht wesentlich verändert hatten.
Für Landschaften war das hinnehmbar. Für Gebäude ebenfalls. Für Schlaraffen war es ein Problem. Denn Menschen, die sich treffen, um gemeinsam Kunst, Freundschaft und Humor zu pflegen, neigen erfahrungsgemäß dazu, während eines längeren fotografischen Vorbereitungsvorgangs miteinander zu reden, sich umzudrehen, etwas zu trinken oder den Platz zu wechseln. Für die Fotografie des frühen 20. Jahrhunderts waren das denkbar schlechte Voraussetzungen.
Genau in Wetzlar entwickelte Oskar Barnack wenige Jahre später eine Kamera, die dieses Problem grundsätzlich beseitigte. Barnack kam 1911 zu den Leitz-Werken. Als begeisterter Fotograf störte ihn selbst die schwere damalige Fotoausrüstung; Leica nennt dabei ausdrücklich auch sein Asthma als Grund dafür, dass er nach einer kleineren und leichteren Lösung suchte. Statt der üblichen Platten verwendete er 35-mm-Kinofilm, drehte dessen Laufrichtung und schuf daraus das Aufnahmeformat 24 × 36 Millimeter. Im März 1914 notierte er in seinem Werkbuch: „Lilliput-Kamera fertiggestellt.“ Die Ur-Leica war entstanden.
Das ist die bekannte Geschichte. FASTWAHR ist inzwischen auf einen Vorgang gestoßen, der unmittelbar davor stattgefunden haben soll.
Der Zwischenfall mit der Vereinsaufnahme
Eine nicht näher datierte Fotografie zeigt eine Gruppe festlich gekleideter Herren in Wetzlar. Einige tragen lange Mäntel und eigentümliche Kopfbedeckungen. Vor ihnen steht ein Fotograf hinter einer großen Plattenkamera. Bemerkenswert ist weniger die Gruppe als ihr Zustand.
Ein Mann blickt nach links. Ein anderer spricht mit seinem Nachbarn. Zwei weitere scheinen ihre Plätze zu tauschen. Einer hat sich bereits hingesetzt, obwohl die übrigen noch stehen. Im Hintergrund verlässt ein weiterer Teilnehmer gerade das Bild. Der Fotograf macht einen erschöpften Eindruck.
Nach unseren Recherchen könnte es sich um einen frühen Versuch gehandelt haben, Mitglieder des späteren Wetzlarer Schlaraffenreyches Wetiflar gemeinsam abzubilden. Diese Zuordnung ist historisch nicht haltbar, was sie für unsere Untersuchung zunächst erheblich erschwerte. Das eigentliche Problem des Fotografen lässt sich dagegen sehr gut rekonstruieren.
Er benötigte Zeit. Die Herren hatten keine.
Wetzlar hatte ausgerechnet die richtigen Leute
Dass sich eine solche fotografische Krise ausgerechnet in Wetzlar ereignet haben soll, erwies sich im Nachhinein als ausgesprochen günstig. Die Stadt war längst ein bedeutender Standort der Optik und Feinmechanik. Aus dem 1849 von Carl Kellner gegründeten Optischen Institut entwickelte sich unter Ernst Leitz ein weltweit bedeutender Hersteller optischer Geräte. Genau dort arbeitete seit 1911 Oskar Barnack.
Barnack beschäftigte sich beruflich mit Kino- und Messtechnik und kannte den 35-mm-Film aus diesem Bereich. Gleichzeitig fotografierte er selbst und kannte die Nachteile der schweren Plattenkameras aus eigener Erfahrung. Die offizielle Entwicklungsgeschichte ergibt damit vollkommen Sinn. FASTWAHR muss lediglich einen sehr kleinen zusätzlichen Vorgang ergänzen.
Nach dem misslungenen Gruppenfoto soll einer der anwesenden Herren Barnack gefragt haben, ob man nicht eine Kamera bauen könne, mit der das Fotografieren erledigt sei, bevor die Fotografierten merkten, dass es begonnen hatte. Barnack soll zunächst darauf hingewiesen haben, dass Kameras nun einmal eine gewisse Größe benötigten. Darauf habe der Mann die entscheidende Gegenfrage gestellt: „Warum?“
Ingenieure reagieren auf dieses Wort unterschiedlich. Manche erklären anschließend ausführlich, warum etwas nicht funktioniert.
Andere bauen es.
Der Kinofilm wird quergelegt
Barnacks Lösung war technisch weit bedeutender, als es unsere schlaraffische Ausgangslage vermuten lässt. Der damals für Filmkameras verwendete 35-mm-Film lief im Kino vertikal. Barnack ließ ihn in seiner Kamera horizontal laufen und nutzte dadurch eine größere Bildfläche von 24 × 36 Millimetern. Daraus entstand jenes Kleinbildformat, das die Fotografie über Jahrzehnte prägen sollte.
Das Entscheidende war jedoch die Größe der Kamera. Plötzlich konnte ein Fotograf sein Gerät mitnehmen, ohne zuvor über dessen Transport nachdenken zu müssen. Fotografieren wurde beweglicher und spontaner. Statt Menschen umständlich vor einer großen Kamera zu arrangieren, konnte der Fotograf selbst dorthin gehen, wo etwas geschah.
Für die Fotografie war das eine Revolution. Für ein schlaraffisches Gruppenbild bedeutete es zunächst nur: Der Fotograf war jetzt schneller als die Gruppe.
Das erste Problem war damit gelöst
Barnack setzte seine Prototypen selbst intensiv ein. Seine frühen Aufnahmen zeigen Wetzlar und das alltägliche Leben mit einer Beweglichkeit, die mit den bisherigen schweren Kameras kaum möglich gewesen wäre. Seine Dokumentation des Wetzlarer Hochwassers von 1920 gilt nach Angaben von Leica als eine frühe beziehungsweise die erste Fotoreportage mit einer 35-mm-Kamera.
Menschen mussten für solche Bilder nicht mehr sorgfältig aufgestellt werden. Sie konnten einfach Menschen sein. Damit war zugleich jenes Problem gelöst, das unsere unbekannten Herren verursacht haben sollen.
Man musste Schlaraffen nicht mehr dazu bringen, lange stillzustehen. Man musste nur schnell genug abdrücken.
Dann bekam Leitz ein ganz anderes Problem
Eine gute Idee ist noch kein gutes Geschäft. Innerhalb der Leitz-Werke war keineswegs jeder davon überzeugt, dass die kleine Kamera wirtschaftlich erfolgreich sein würde. 1924 wurde über eine Serienfertigung kontrovers diskutiert. Der Markt war unsicher, die Herstellung aufwendig, und das Unternehmen hätte mit einem völlig neuen Kamerakonzept erhebliches Geld riskieren können.
Ernst Leitz II beendete die Diskussion mit einem Satz, der tatsächlich überliefert ist: „Ich entscheide hiermit: Es wird riskiert.“
1925 wurde die Leica I auf der Leipziger Frühjahrsmesse präsentiert. Die Entscheidung erwies sich als folgenreich. Aus Barnacks kleiner Kamera entwickelte sich eines der bedeutendsten Kamerasysteme der Fotografiegeschichte.
FASTWAHR hat versucht festzustellen, ob Ernst Leitz II vor seinem berühmten Satz möglicherweise eine schlaraffische Beratung erhalten hatte. Dafür gibt es keinerlei Anhaltspunkt. Wir möchten allerdings festhalten, dass „Es wird riskiert“ durchaus das Potential zu einem schlaraffischen Wahlspruch besitzt.
Wetiflar kommt ins Spiel
In Wetzlar existiert heute tatsächlich das Schlaraffenreych Wetiflar (335). Damit haben wir dieselbe unangenehme Situation wie schon in Bad Dürkheim und Bad Orb: Eine Stadt besitzt eine bemerkenswerte Geschichte, die sich mit erstaunlich wenig zusätzlicher Fantasie in eine schlaraffische Geschichte verwandeln lässt – und ausgerechnet dort gibt es später tatsächlich Schlaraffen.
Für die Erfindung der Leica ist das vollkommen bedeutungslos. Für FASTWAHR ist es ausreichend.
Denn die Ur-Leica löste tatsächlich ein Problem, das für Schlaraffen ausgesprochen relevant gewesen wäre. Sie machte die Kamera kleiner, beweglicher und schneller einsetzbar. Fotografen mussten nicht länger darauf hoffen, dass sich die Welt vor ihrer Kamera ruhig verhielt. Sie konnten ihr folgen.
Damit entstand nicht nur die moderne Kleinbildfotografie. Es entstand auch eine Kamera, die endlich eine realistische Chance hatte, eine größere Gruppe Schlaraffen vollständig auf ein Bild zu bekommen. Zumindest theoretisch.
Gegen Menschen, die im entscheidenden Moment die Augen schließen, konnte auch Oskar Barnack nichts ausrichten.
Was davon stimmt
Die echten Fakten zu Leica Camera · Oskar Barnack · Ernst Leitz II. · Wetzlar
- Wahr: Oskar Barnack kam 1911 zu Leitz nach Wetzlar. Er war begeisterter Fotograf; als Grund für seine Suche nach einer leichteren Kamera wird auch sein Asthma genannt.
- Wahr: Barnack ließ den 35-mm-Kinofilm horizontal statt vertikal laufen und schuf so das Format 24 × 36 Millimeter. Im März 1914 notierte er laut Firmenarchiv „Lilliput-Kamera fertiggestellt“ – die Ur-Leica.
- Wahr: Seine Aufnahmen vom Wetzlarer Hochwasser 1920 gelten als erste Reportageserie mit einer 35-mm-Kleinbildkamera.
- Wahr: Leitz geht auf das 1849 von Carl Kellner gegründete Optische Institut in Wetzlar zurück.
- Wahr: Im Juni 1924 entschied Ernst Leitz II gegen viele Bedenken die Serienfertigung; überliefert ist sein Satz „Ich entscheide hiermit: Es wird riskiert.“ Im März 1925 wurde die Leica I auf der Leipziger Frühjahrsmesse vorgestellt.
- Wahr: In Wetzlar sippt das Schlaraffenreych Wetiflar (335), gegründet 1957 – also lange nach der Ur-Leica.
- Erfunden: das misslungene schlaraffische Gruppenfoto und die schlaraffische Anregung zur kleinen Kamera.
- KI-generiert: das Bild.
Historische Zuverlässigkeit: 16 %FASTWAHR-Faktor: 84 %
Fast erfunden. Die Leica kommt tatsächlich aus Wetzlar.
Die Schlaraffen aus dieser Geschichte gibt es wirklich – Wetiflar (335) sippt auf der Götzburg in Wetzlar und lädt Interessierte gern zu einem geselligen Herrenabend ein.
Weiterführende Informationen
Schlaraffia
- Schlaraffia Wetiflar (335), Wetzlar wetiflar.de
- Wetiflar: Chronik des Reyches wetiflar.de
Hintergrund
- Leica Oskar Barnack Award: Oskar Barnack leica-oskar-barnack-award.com
- photoscala: 100 Jahre Leica-Fotografie photoscala.de
- Messsucherwelt: „Ich entscheide hiermit: Es wird riskiert“ messsucherwelt.com
- Hessische Landeszentrale: 175 Jahre Optisches Institut Carl Kellner hlz.hessen.de
- Wikipedia: Oskar Barnack de.wikipedia.org
FASTWAHR ist Satire und Parodie. Die Bilder sind KI-generiert; dargestellte Personen, Wappen und Aufschriften sind erfunden. Anspielungen auf bekannte Werke sind als Parodie gemeint. Mehr dazu


