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FASTWAHR ermittelt1884

In Bern saß eines Morgens ein Vogel zwischen den Bären. Wer ihn eingelassen hatte, wusste niemand.

Bern,

Herbst 1884: Die junge Bundesstadt baut Brücken, plant Türme und hat für alles ein Formular. Doch unter den Lauben der Altstadt hallen nachts Laute, die in keiner Polizeiordnung vorkommen, und am Zytglogge taucht eine Figur auf, die dort nicht hingehört. Eine Spurensuche zwischen Uhrwerk, Arkaden und Bärengraben.

FASTWAHR-Redaktion 3 Min. Lesezeit Satire
KI-generierte Satire-Illustration: Drei Herren mit Ritterhelmen halten in einer nebligen Nacht einen ausgestopften Uhu über eine Brückenbrüstung, unten richten sich Bären in einem steinernen Graben auf.

KI-generiertes Bild · Die dargestellte Szene hat so nicht stattgefunden. Das KI-Bild zeigt eine erfundene nächtliche Szene mit drei Herren in Ritterhelmen, die am Berner Bärengraben einen Uhu emporhalten, und ist keine historische Abbildung.

Wer im Herbst 1884 durch Bern spazierte, erlebte eine Stadt, die sich noch an ihre neue Rolle gewöhnte. Seit 1848 tagten hier die Bundesbehörden, und Bern bemühte sich sichtlich, diesem Anspruch auch baulich gerecht zu werden. Im Jahr zuvor war die Kirchenfeldbrücke eröffnet worden, die das Kirchenfeld über die Aare hinweg mit der Altstadt verband. Der Turm des Münsters dagegen endete noch immer stumpf, seine Spitze sollte er erst 1893 erhalten. Dazwischen zogen sich die Lauben, jene steinernen Arkaden, unter denen man auf insgesamt rund sechs Kilometern trockenen Fußes durch die Altstadt gelangt und die bis heute zum Weltkulturerbe gehören.

Gerade diese Lauben aber sollen in jenem November zum Schauplatz einer Beobachtung geworden sein, die in Bern für einiges Kopfzerbrechen sorgte. Nachtschwärmer und Anwohner der Kramgasse berichteten von einem dumpfen, zweisilbigen Ruf, der in regelmäßigen Abständen unter den Bögen widerhallte und sich langsam in Richtung Nydegg entfernte. Ein Nachtwächter vermerkte in seinem Rapport drei Herren mit auffälligen Kopfbedeckungen, die er keinem bekannten Regiment zuordnen konnte, und fügte pflichtschuldig hinzu, die Herren hätten sich ausgesprochen höflich verhalten, was die Sache nicht weniger verdächtig mache.

Am Morgen des 8. November kam ein weiterer Befund hinzu. Am Zytglogge, dessen Figurenspiel mit seinem Zug kleiner Bären seit Jahrhunderten Schaulustige anzieht, saß plötzlich eine geschnitzte Eule zwischen den Bären. Der zuständige Uhrmacher entfernte sie umgehend und stellte fest, dass das Werk unbeschädigt war. Am folgenden Morgen saß die Eule wieder da, diesmal mit einem frischen Anstrich. In der Stadt kursierten rasch Erklärungen, die von einem Streich der Studenten bis zu einem verdeckten Gruß englischer Investoren reichten, die man seit dem Brückenbau ohnehin für jede Exzentrik verantwortlich machte.

Die aufschlussreichste Spur lieferte schließlich der Bärengraben am östlichen Ende der Altstadt, wo die Wappentiere der Stadt seit 1857 in jener Anlage lebten, die heute zum Bärenpark gehört. Ein Wärter gab zu Protokoll, seine Bären hätten sich in den vergangenen Nächten stets zur gleichen Stunde aufgerichtet und mit großem Ernst zur Brücke hinübergeblickt. Dort habe jemand, so seine Aussage, einen ausgestopften Vogel feierlich über die Brüstung gehalten, sich verbeugt und anschließend eine kurze Ansprache in gereimter Form gehalten. Die Bären hätten keinen Widerspruch erhoben.

Wer die Herren mit den seltsamen Hüten waren, erschließt sich erst mit Blick auf eine Vereinigung, die 1859 in Prag entstanden war und sich seither über den deutschsprachigen Raum ausbreitete: Schlaraffia. Ihre Mitglieder treffen sich bis heute als Ritter zu sogenannten Sippungen, parodieren dabei das mittelalterliche Rittertum mit großem Ernst und pflegen Kunst, Freundschaft und Humor. Ihr Wappentier ist der Uhu, Sinnbild der Weisheit und, wie Kenner versichern, auch der Selbstironie. Auch in Bern fand sich ein solcher Kreis zusammen, der heute als Reych Berna besteht. Nach den eigenen Angaben des Reychs trafen sich am 15. November 1884 sechzehn Gründer zur Konstituierung in der Frickburg an der Schauplatzgasse, und schon am 6. Dezember 1884 wurde die Berna als Tochterreych der Basler Basilea offiziell anerkannt.

Damit fügen sich die Fundstücke zu einem Bild, das in seiner Gründlichkeit zutiefst bernisch anmutet. Die Gründer, so die hier erzählte Version, wollten ihren Uhu nicht einfach in einer Stadt ansiedeln, in der seit jeher ein anderes Tier das Sagen hat. Nach reiflicher Beratung kamen sie zu dem Schluss, dass in Bern nichts Neues Bestand haben könne, das nicht zuvor den Bären vorgestellt worden sei. Die nächtlichen Prozessionen unter den Lauben waren demnach ein Antrittsbesuch mit Ehrengeleit, die Eule am Zytglogge ein formvollendetes Gesuch, eingereicht an der prominentesten Stelle, die die Stadt zu bieten hatte.

Eine Antwort der Behörden ist nicht überliefert. Die Eule verschwand nach einigen Tagen wieder aus dem Figurenspiel, die Bären kehrten zu ihren gewohnten Beschäftigungen zurück, und unter den Lauben wurde es nachts wieder still. Der Uhu aber blieb in Bern, und wer heute an einem winterlichen Abend durch die Kramgasse geht, mag sich fragen, ob das ferne Rufen tatsächlich nur vom Wind in den Arkaden stammt.

Was davon stimmt

Die echten Fakten zu Bern · Zytglogge · Bärenpark Bern · Kirchenfeldbrücke

  • Wahr: Bern ist seit 1848 Sitz der Bundesbehörden.
  • Wahr: Die Kirchenfeldbrücke wurde 1883 eröffnet und von einer in London gegründeten Gesellschaft finanziert.
  • Wahr: Der Turm des Berner Münsters wurde erst 1893 vollendet.
  • Wahr: Die Lauben der Altstadt ziehen sich über rund sechs Kilometer, die Altstadt ist seit 1983 UNESCO-Welterbe.
  • Wahr: Der Zytglogge besitzt ein historisches Figurenspiel mit Bärenumzug.
  • Wahr: Der Bärengraben an der Nydeggbrücke wurde 1857 eröffnet und gehört heute zum BärenPark.
  • Wahr: Schlaraffia wurde 1859 in Prag gegründet, ihr Symbol ist der Uhu, ihre Treffen heißen Sippungen.
  • Wahr: Die Schlaraffia Berna wurde am 15. November 1884 gegründet und am 6. Dezember 1884 sanktioniert, sie ist ein Tochterreych der Basilea.
  • Nicht belegt: Dass die Schlaraffen nach heutigem Brauch mit dem Uhu auch Selbstironie verbinden, ist eine Deutung und keine offizielle Festlegung.
  • Erfunden: Die nächtlichen Uhu-Rufe unter den Lauben der Kramgasse
  • Erfunden: Der Rapport des Nachtwächters über drei höfliche Herren mit seltsamen Hüten
  • Erfunden: Die geschnitzte Eule im Figurenspiel des Zytglogge am 8. November 1884
  • Erfunden: Der Verdacht gegen englische Investoren
  • Erfunden: Die Aussage des Bärenwärters und die Ansprache in Reimform an der Brücke
  • Erfunden: Die Vorstellung des Uhus bei den Bären und das Gesuch an die Stadt
  • Erfunden: Die fehlende Aufenthaltsbewilligung für den Uhu
  • KI-generiert: Das Titelbild ist KI-generiert.
  • KI-generiert: Der Text entstand mit KI-Unterstützung.

Historische Zuverlässigkeit: 45 %FASTWAHR-Faktor: 55 %

Fast erfunden. Die Schlaraffen allerdings gibt es wirklich.

Eine schriftliche Aufenthaltsbewilligung für den Uhu soll bis heute nicht erteilt worden sein. In Bern gilt das als sicheres Zeichen, dass man ihn längst zu den Einheimischen zählt.

Die Schlaraffia Berna besteht bis heute. Von Oktober bis April trifft sie sich montags in ihrem eigenen Haus, der Trutzburg zur Schutzmühll an der Postgasse 10 in der Berner Altstadt.

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Weiterführende Informationen

Schlaraffia

Hintergrund

FASTWAHR ist Satire und Parodie. Die Bilder sind KI-generiert; dargestellte Personen, Wappen und Aufschriften sind erfunden. Anspielungen auf bekannte Werke sind als Parodie gemeint. Mehr dazu

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